Wohlfühlen mit sensibler Haut

Sie ist eine echte Mimose: Schon auf geringe Reize reagiert die empfindliche Haut sprichwörtlich beleidigt und wehrt sich mit teilweise heftigen Irritationen. Immer mehr Menschen – vor allem Frauen – klagen heutzutage darüber. Mit der richtigen Pflege lässt sich das Sensibelchen jedoch besänftigen.

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Alarmstufe Rot: Ein Gläschen Sekt, scharf gewürztes Essen, ein Spaziergang bei rauem Herbstwetter oder ein neues Make-up reichen oft aus, um empfindliche Haut in Aufruhr zu versetzen. Dann rötet sie sich, juckt, brennt oder spannt unangenehm. Auch Pusteln, Quaddeln und trockene Stellen sind typische Anzeichen. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern kann auch die Psyche enorm belasten – wenn wir uns nämlich in unserer Haut im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr wohlfühlen. Dabei ist das Problem weit verbreitet. Verschiedenen Studien zufolge stuft inzwischen mehr jede zweite deutsche Frau ihre Haut als sensibel ein. Tendenz steigend.

Tröstlich für alle Betroffenen ist die Tatsache, dass es sich bei empfindlicher Haut um keine Krankheit handelt, die mit Medikamenten therapiert werden muss. Tatsächlich ist sie vor allem Veranlagungssache und die Symptome können bei entsprechendem Umgang und der richtigen Pflege deutlich gelindert werden. Dafür sollte man sich auch vor Augen halten, dass unsere Körperhülle ein lebendes Organ ist, das sich im Laufe der Jahre verändert. So ist Babyhaut rund 30 Prozent dünner als die eines Erwachsenen. Schweiß- und Talgdrüsen arbeiten noch nicht richtig, weshalb der Hydrolipidfilm und der Säureschutzmantel schwächer ausgebildet sind. Die Haut der Kleinsten ist daher besonders empfindlich. Nach und nach wird die Körperhülle dann dicker und entwickelt eine Art Schutzschild gegen äußere Einflüsse. Dieser Schild kann allerdings durch schädliche Reize, falsche Behandlung und auch aufgrund von erblich bedingter Anfälligkeit gestört werden, was zu erhöhter Sensibilität führt.

Mit zunehmendem Alter – beginnend bereits so um die 30 – setzt dann langsam wieder eine Verdünnung der Dermis und Epidermis ein. Dadurch lassen die Barrierefunktion und der natürliche UV-Schutz allmählich nach. Auch die stützenden Kollagenfasern werden pro Jahr um etwa ein Prozent abgebaut, weshalb die Haut weniger Feuchtigkeit speichern kann. Und schließlich sinkt im Alter oft auch der ph-Wert der Körperoberfläche. Das alles macht sie anfälliger für Verletzungen, Austrocknung sowie durchlässiger für Reizstoffe, Bakterien und Keime. Aus diesen Gründen klagen auch viele Ältere über empfindliche Haut.

Beruhigen und die Hautbarriere stärken

Wer nun unter einem solchen Sensibelchen leidet und sich vor Quaddeln, Spannungsgefühl, Juckreiz und Co. schützen will, sollte sein Hauptaugenmerk auf die richtige Pflege legen. Erstes Ziel ist es hier, die Haut zu beruhigen und die natürliche Hautbarriere zu stärken. Und dabei ist weniger oft mehr. Viele Frauen erliegen den Verlockungen der Kosmetik-Industrie und haben nicht selten 10 bis 20 verschiedene Töpfe und Tübchen im Badezimmer, mit denen sie munter durcheinander experimentieren. Dadurch können sie mit einer Vielzahl reizauslösender Stoffe in Kontakt kommen. Besser ist es, sich für wenige Produkte zu entscheiden – bevorzugt aus einer Pflegelinie – und einen genauen Blick auf die INCIListe (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) zu werfen. Das ist die Angabe der Inhaltsstoffe und sie sollte möglichst kurz sein. Auf Nummer sicher geht man in der Regel mit Produkten, die extra auf empfindliche Haut zugeschnitten sind. Sie sollten frei von Farb-, Duft- und Konservierungsstoffen, Parabenen, Mineralöl sowie Emulgatoren sein, da diese zu den häufigsten Auslösern von Unverträglichkeiten gehören. Vorsicht ist zudem bei Fruchtsäuren und dem Anti-Aging-Wirkstoff Retinol geboten, die einen schälenden Effekt haben und daher stark reizen können. Darum heißt es auch Finger weg von grobkörnigen Peelings – sie sind die reinste Strapaze für sensible Haut.

Stattdessen sind beruhigende und antientzündliche Komponenten in den Pflegecremes gefragt. Als wohltuend haben sich beispielsweise Calendula, Panthenol, Aloe Vera, Alantoin, Zink oder Magnesium bewährt. Da empfindliche Haut auch oft trocken ist, benötigt sie zusätzlich Feuchtigkeitsbinder wie Hyaluronsäure, Urea und Milchsäure. Sie unterstützen die Haut dabei, den Wasserhaushalt zu stabilisieren. Hyaluronsäure etwa ist ein körpereigener Stoff und wird daher fast immer gut vertragen. Und schließlich sollten die Produkte hautverwandte Lipide wie etwa in Kakaobutter, Macadamia- oder Traubenkernöl enthalten, die die geschwächte Barriereschicht stärken, Bei der Reinigung ist sanftes Vorgehen gefragt. Keine aggressiven Mittel mit Seife oder Alkohol verwenden, sondern besser zu rückfettenden Waschlotionen greifen oder zu physiologischen Softreinigern, die nur mit einem Kosmetiktuch abgenommen werden. Stark im Trend liegen derzeit Produkte mit moderner Mizellen-Technologie, die Schmutz und Make-up ohne Rubbeln leicht lösen. Hier muss nicht mit Wasser nachgespült werden, das bei hohem Kalkgehalt oft Irritationen hervorruft.

Kleine SOS-Maßnahmen für den Akutfall

Akut gereizte Haut lässt sich häufig mit ein paar SOS-Maßnahmen beruhigen. So kann etwa schwarzer Tee dank der enthaltenen Gerbstoffe äußeren Bakterienbefall reduzieren und die Wundheilung beschleunigen. Außerdem sorgt er dafür, dass sich rote Äderchen wieder leicht zusammenziehen – das ist besonders effektiv bei Couperose, zu der Menschen mit sensibler Haut oftmals neigen. Besonders gut eignen sich Kompressen mit kaltem schwarzen Tee: Dafür den Tee mindestens zehn Minuten ziehen lassen, abkühlen lassen und einige Zeit in den Kühlschrank stellen. Ein sauberes Tuch damit tränken und auf die gereizte Hautpartie legen. Ebenfalls angenehm kühlend und beruhigend sind Thermalwassersprays. Sie sind auch in kleinen Spendern erhältlich, so dass sie sogar in die Handtasche passen – praktisch für die Anwendung unterwegs und zwischendurch.

Damit es möglichst gar nicht erst zu akuten Schüben kommt, ist es ratsam, typische Triggerfaktoren weitestgehend zu vermeiden. Der Genuss von Alkohol, Kaffee, Nikotin und scharf gewürztem Essen kann beispielsweise die Gesichtsrötung fördern. Überdies verträgt empfindliche Haut extreme Temperaturen sehr schlecht. Saunagänge und Sonnenbäder sind daher, wenn überhaupt, nur sehr maßvoll zu empfehlen. Bei frostigen Temperaturen im Winter können spezielle Coldcreams den sensiblen Teint schützen – hält man sich allerdings anschließend in beheizten Räumen auf, sollte die Creme wieder abgenommen werden, weil es sonst leicht zu einem Hitzestau in der Haut kommen kann.

Zu guter Letzt können auch Stress und psychische Belastungen der empfindlichen Körperhülle zusetzen. Schließlich heißt es nicht umsonst, die Haut sei ein Spiegel der Seele. Wer also beruflich oder privat oft unter Druck steht oder im hektischen Alltag nur schwer zur Ruhe kommt, probiert es vielleicht einmal mit Entspannungstechniken wie Autogenem Training, Yoga oder Meditation – sie sind wohltuende Streicheleinheiten für Körper, Haut und Seele.

Tipp

Viele bewährte Pflegehelfer kommen aus der Natur:

  • Zaubernuss: Dank ihrer lokal blutungs- und juckreizstillenden, zusammenziehenden und antientzündlichen Wirkung ist Hamamelis ein bewährtes Mittel bei Hautreizungen und kleinen Verletzungen.
  • Borretsch: In den Samen stecken die heilenden Wirkstoffe der „Borago officinalis“. Deren Öl ist reich an Gamma-Linolensäuren, die vor allem bei Ekzemen und sehr trockener Haut wertvolle Dienste leisten können.
  • Wilde Malve: Sie gehört zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt und wird seit Jahrhunderten als Heilpflanze verwendet. Die milden Extrakte der „Malva sylvestris“ werden auch von empfindlicher, angegriffener Haut gut vertragen, haben harmonisierende, reiz- und schmerzlindernde Eigenschaften.
  • Mandelöl: Enthält reichlich Linolsäure sowie die Vitamine E und B und kann in Lotionen oder als Badezusatz eingesetzt Reizzustände der Haut besänftigen.
  • Nachtkerze: Das Öl der „Oenothera biennis“ ist reich an Omega-3-Fettsäuren, die – beispielsweise in Cremes – empfindliche Haut beruhigen sowie Jucken und Schuppen lindern können.