Wickel – ein altes Hausmittel neu entdeckt

Die Behandlung mit feuchten Wickeln ist ein altes und vielfältig bewährtes Hausmittel. Nicht allein bei Sportverletzungen und damit einhergehenden Schwellungen, sondern auch bei rheumatischen Beschwerden, Fieber und Schmerzen bringen Wickel Linderung und fördern den Abheilungsprozess. Nicht zuletzt sind Wickel auch zur Ausleitung von Säuren und Schadstoffen gut geeignet.

Foto: Wickel & Co.

Viele Hausmittel geraten nie ganz aus der Mode, denn sie bewähren sich in der Praxis und werden deshalb auch von der Schulmedizin anerkannt. So ist es mit den Wickeln. Wenn Erkältungen und Grippe die Runde machen, erinnern sich viele an Krankheitstage aus der Kinderzeit. Mutters feucht-kühle Wadenwickel brachten die hohe Temperatur wie von Zauberhand wieder nach unten. Das Prinzip der fiebersenkenden Wickel ist so simpel wie effektiv: Sie regulieren die „Klimaanlage“ des Körpers und stärken das Immunsystem. Zunächst wird dem Körper auf sanfte Weise Wärme entzogen – daher der temperatursenkende Effekt. In Folge versorgt der Körper aber die künstlich unterkühlte Stelle mit mehr Wärme. Die gesteigerte Durchblutung mobilisiert die Abwehrkräfte, Krankheitskeime werden vernichtet und Stoffwechselschlacken schneller abgebaut.

Doch nicht allein zur Fiebersenkung eignen sich die Wickel. Schon im 19. Jahrhundert wussten die Naturärzte Vincenz Prießnitz und Sebastian Kneipp, dass man mit Wickel-Anwendungen die verschiedensten akuten wie chronischen Leiden behandeln kann. Die Haut als unser Grenzorgan zur Außenwelt ist zuständig für den Wärmehaushalt des Körpers und für den Stoffaustausch. Indem man mit heißen oder kalten Wickeln einen Reiz setzt, wird die Durchblutung angeregt und das Stoffwechselgeschehen an der betroffenen Stelle beeinflusst. Die Durchlässigkeit der Haut macht es auch möglich, heilende Substanzen in den Organismus zu schleusen sowie Schadstoffe auszuleiten.

Die Anwendung der Wickel ist im Grunde einfach. Wickel sind aus mehreren Lagen zusammengesetzt. Dabei wird das am Körper anliegende Innentuch aus mehreren Stofflagen gebildet und um den Körper beziehungsweise den Körperteil gewickelt. Danach folgt eine Umwicklung des Innentuchs mit einem trockenen und substanzfreien Außentuch. Am besten eignen sich natürliche Materialien wie Baumwolle, Leinen beziehungsweise Mullstoff. Vom jeweiligen Beschwerdebild hängt es ab, ob ein heißer, ein körperwarmer oder kühler Wickel angebracht ist.

Wann kühl, körperwarm oder heiß?

Kalte oder kühlende Wickel sind immer dann geeignet, wenn es darum geht, Schwellungen zum Abklingen zu bringen, Schmerzen zu dämpfen, Fieber zu senken oder Wärme bei entzündlichen Vorgängen abzuleiten. Typische Anwendungsbeispiele sind kühlende Wickel bei fiebrigen Erkältungen, Prellungen und Verstauchungen, bei Gelenkentzündungen oder bei Sonnenbrand. Kühlende Wickel werden nur für kurze Zeit – etwa fünf bis 15 Minuten – angelegt. Es gibt daneben aber auch kühle Wickel, die Wärme zuführen. Bleibt nämlich ein kühler Wickel länger auf der Haut – etwa 30 bis 90 Minuten – wird er durch die Körperwärme getrocknet. Es bildet sich ein feiner feuchtwarmer Dunst. Auf diese Weise kann der Wickel Entzündungen hemmen, Schmerzen lindern, das vegetative Nervensystem beruhigen und damit schlaffördernd wirken. Ätherische Öle steigern diesen Effekt noch und helfen insbesondere bei Sportverletzungen, Arthrose und Arthritis sowie schmerzhaften Schwellungen nach Operationen.

Körperwarme Wickel erweitern die Blutgefäße und entspannen Muskulatur und Nervensystem. Sie werden vor allem dann angewandt, wenn der Erkrankungsprozess schon etwas länger besteht oder schon chronisch geworden ist, beispielsweise bei Asthma und Bronchitis oder bei Problemen im Bereich der Verdauungsorgane, der Leber, der Niere, der Unterleibsorgane und der Harnwege. Die angenehm temperierten Wickel dienen auch dazu, einen Wirkstoff in die Haut einzubringen, z. B. ätherische Öle oder pflanzliche Wirkstoffe.

Bei bestimmten Indikationen ist es ratsam, den Körper zu überwärmen. Feucht-heiße Wickel bewirken eine Steigerung der Durchblutung und werden vorrangig zur Entkrampfung und Entspannung eingesetzt. Hilfreich sind sie vor allem bei chronisch-entzündlichen Prozessen wie Rheuma oder Gicht, bei Hexenschuss, Muskelverspannungen und Rückenschmerzen, aber auch bei Blähungen und Unterleibsschmerzen. Während der Anwendung kann der heiße Wickel durch die Auflage einer Wärmflasche länger warm gehalten werden.

Quark, Zwiebel, Kräuter & Co.

Wickel wirken nicht allein durch Wärme, Kälte oder den Verdunstungseffekt, sondern auch durch Wirkstoffe, die auf das Innentuch aufgebracht werden. So gibt es Wickelrezepte aus Großmutters Zeiten, die aber nichts von ihrer Aktualität verloren haben, genauso wie Heilkräuteressenzen und -öle. Bekannt ist der Quarkwickel, der bei Sonnenbrand, Hautentzündungen und Schmerzen angenehm kühlend wirkt. Dabei wird der Quark messerrückendick auf ein Leinentuch gestrichen und auf die Haut gelegt. Kalte Lehm- und Heilerde-Wickel helfen gegen Entzündungen und Hauterkrankungen. Ein Mittel, das schon von Sebastian Kneipp zur Auflösung von Entzündungen empfohlen wurde, ist Bockshornklee. Kühle Auflagen beziehungsweise Wickel ziehen überschüssiges Gewebswasser aus entzündeten Hautstellen – ein besonderes Einsatzgebiet sind Gelenkschwellungen und Knochenhautentzündungen. Warme, zerdrückte Kartoffeln kommen dagegen als Hals- oder Leibwickel bei Halsschmerzen sowie bei Magen-Darm-Beschwerden zum Einsatz. Gegen Ohrenschmerzen ist der Zwiebelwickel um das entzündete Ohr ein bewährtes Rezept: Eine klein geschnittene, ohne Fett angedünstete Zwiebel wird in ein Stofftuch eingewickelt und das Päckchen mit einer Mullbinde am Ohr fixiert. Die Zwiebeldämpfe wirken schleimlösend und entzündungshemmend.

Die Naturmedizin kennt seit langem Leibwickel mit pflanzlichen Aufgüssen und Essenzen als effektives Heilmittel. So wirkt der Schafgarbenwickel über der Leber entgiftend und regt die Stoffwechselprozesse an. Schafgarbenblüten werden mit kochendem Wasser aufgegossen und mit dem etwas abgekühlten Sud eine Baumwollkompresse getränkt, die dann über die Leber gewickelt wird. Anthroposophische Ärzte setzen Leberwickel auch bei Haut- und Verdauungsproblemen sowie bei Depressionen ein. Ein Nierenwickel mit Schachtelhalm regt die Ausscheidung an. Lindernd bei einer Blasenentzündung wirken fünf Tropfen zehnprozentiges Eukalyptusöl, die man auf ein Baumwolltuch träufelt und dieses – mit einer Wärmflasche erwärmt – als Wickel über dem Unterleib fixiert. Ein Brustwickel mit zehnprozentigem Lavendelöl dämpft krampfhaften Husten, hilft aber auch bei Nervosität und Schlafstörungen.

BUCHTIPP

Wickel & Co. – Hausmittel für Kinder

Immer aktueller ist heute der Trend zur Naturmedizin. Wie man richtig und mit Liebe naturheilkundlich helfen und die Familie begleiten kann, erfährt man im fundierten Familienratgeber „Wickel & Co.“ (Urs-Verlag, 15,90 Euro, ISBN 978-3980781503) von Ursula Uhlemayr. Die Dozentin für Naturheilkunde stellt die besten Hausmittel vor, die auf sanfte, natürliche Weise Beschwerden lindern und mit der Anwendung auch liebevolle Zuwendung verbinden. Sie erhalten viele praktische Tipps, um die Gesundheit und das Immunsystem der Kinder von klein auf zu stärken.