Was tun bei Durchblutungsstörungen?

Ein langes Leben hinterlässt ebenso Spuren in den Gefäßen wie ein ungesundes. Entzündungen, Ablagerungen, Krampfadern oder geweitete
Venenklappen sorgen dafür, dass das Blut nicht mehr so durch den Körper zirkulieren kann wie in jungen und gesunden Jahren. Zwar spielt die
familiäre Veranlagung eine Rolle, aber glücklicherweise kann man auch selbst etwas tun, um Stauungen in Arterien oder Venen zu vermeiden.

Foto: Kzenon-123RF

Das Blutgefäßsystem unterteilt sich in die arteriellen und venösen Blutbahnen: Erstere führen vom Herzen weg und transportieren sauerstoffreiches Blut zu den Geweben, letztere führen sauerstoffarmes Blut zurück zum Herzen. Durchblutungsstörungen können beide Gefäßsysteme betreffen, allerdings aus unterschiedlichen funktionellen Gründen. Das Blut in den Arterien wird durch den Herzschlag vorangetrieben, man spricht daher von den „Schlagadern“. Die Arterien haben dicke, muskulöse Wände, die dafür sorgen, dass der Pumpdruck aufrechterhalten wird und so das Blut auch die entferntesten Regionen des Körpers erreicht. Hier sind es vor allem Bluthochdruck, Ablagerungen und Entzündungen, die die Durchblutung gefährden können. Die Venen dagegen haben keine muskulösen Wände. Der Rückfluss zum Herzen wird durch die Muskulatur der Beine gewährleistet. Damit das Blut entgegen der Schwerkraft in Richtung des Herzens fließt, verhindern Venenklappen den Rückfluss des Blutes. Funktionieren die Venenklappen nicht mehr richtig, kann sich das Blut stauen und Entzündungen sowie Thrombosen (Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel) können entstehen. Sowohl für arterielle als auch für venöse Durchblutungsstörungen gilt ein erhöhtes Risiko durch die genetische Veranlagung, zum Tragen kommt der erbliche Faktor meist aber erst im höheren Lebensalter oder durch einen ungesunden Lebensstil, d.h. durch Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkoholmissbrauch und anderes mehr.

Durchblutungsstörungen der Arterien

Zu süße, fette und kalorienreiche Nahrungsmittel stellen den Stoffwechsel vor eine schwere Belastungsprobe. Die allmähliche Gewichtszunahme und vor allem das Bauchfett begünstigen arterielle Herz-Kreislauf- Erkrankungen wie die Arteriosklerose, die periphere arterielle Verschlusskrankheit und die Koronare Herzkrankheit (KHK). Im Bauchfett werden Fettgewebshormone und Entzündungsstoffe produziert und ins Blut abgegeben. Mit dem Übergewicht einhergehender Bluthochdruck begünstigt Verletzungen der Arterienwände. An den verletzten Stellen sammeln sich Blutplättchen und mit Blutfetten gesättigte Entzündungszellen und bilden immer dickere Beläge, so genannte „arteriosklerotische Plaques“. Abgestorbenes Gewebe lässt die Plaque verkalken, weshalb man auch von der Arterienverkalkung spricht. Die Ablagerungen und die Verkalkung erschweren die Durchblutung und damit die Versorgung von Organen und Geweben. Schlimmstenfalls kommt es an einer solchen Engstelle zu einem Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel. Ist ein Herzkranzgefäß betroffen, sterben Teile des Herzmuskels ab – ein Herzinfarkt ist die Folge. Wird ein Hirngefäß auf diese Weise verstopft, kommt es zum Schlaganfall.

Doch bereits vor den oftmals tödlichen Ereignissen wie Herzinfarkt und Hirnschlag führen die arteriellen Durchblutungsstörungen zu chronischen Beschwerden, die als Warnung sehr ernst zu nehmen sind. So löst die Mangeldurchblutung der Herzkranzarterien Angina Pectoris-Anfälle aus, die sich durch Schmerzen oder ein Druck- und Engegefühl hinter dem Brustbein kennzeichnen. Bei dieser Koronaren Herzkrankheit führen häufig schon geringe körperliche Anstrengungen, Aufregung oder ein belastendes Klima zu den genannten Attacken. Nicht so akut dramatisch, aber als Warnsignal nicht minder schwerwiegend sind Durchblutungsstörungen der Beinarterien. Man spricht hier von einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. Betroffene spüren beim Gehen Schmerzen in den Füßen, Beinen, im Gesäß oder den Hüften. Oft kann nur noch eine begrenzte Wegstrecke schmerzfrei zurückgelegt werden. Weil Betroffene ihre Schmerzen zu verheimlichen suchen, indem sie mit gespieltem Interesse vor einem Schaufenster stehenbleiben, bis die Schmerzen nachlassen, hat sich der Begriff „Schaufensterkrankheit“ eingebürgert. Neben den Schmerzen sind auch Taubheitsgefühle oder schlecht heilende Wunden unangenehme Begleiterscheinungen der Durchblutungsstörung.

Die gute Nachricht: Wie kaum bei einem anderen Krankheitsbild kann man durch einen durchgreifenden Wandel des Lebensstils das Wohlbefinden und die langfristige Prognose verbessern. Die wichtigste Maßnahme ist die Veränderung der Ernährung. Empfohlen wird eine Umstellung auf „mediterrane Kost“ – also viel Obst und Gemüse, Kräuter und Gewürze statt Salz, gesundes Olivenöl. Reduzieren sollte man alles, was den Stoffwechsel belastet und dick macht: Zucker, Kohlenhydrate wie Brot und Nudeln, Fleisch und Wurst, ungesunde Fette. Allein durch die Ernährungsumstellung wird bereits das Körpergewicht gesenkt. Die zweitwichtigste Maßnahme ist Bewegung: Sie bringt den Stoffwechsel wieder in Gang, fördert den Muskelaufbau, die Verbrennung und vor allem auch die Durchblutung. Ideal sind moderate Ausdauersportarten wie Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking oder Wandern. Absolut sinnvoll und notwendig zur Verbesserung der Durchblutung ist der Tabakverzicht – er bringt selbst in höherem Lebensalter noch eine Menge.

Je nach den Ursachen der Durchblutungsstörungen wird der Arzt ACE-Hemmer, Betablocker und entwässernde Medikamente gegen Bluthochdruck oder Kalziumantagonisten bzw. Vasodilatanzien zur Erweiterung der Gefäße einsetzen. Blutverdünner wie Acetylsalicylsäure (ASS) verbessern den Blutfluss. Verengte Gefäße können auch durch einen Eingriff wie z. B. die Angioplastie erweitert werden – dabei wird ein Gefäßkatheder durch die Blutbahn zu der Engstelle geführt und diese durch einen Ballon gedehnt. Daneben können pflanzliche Mittel und Nährstoffpräparate wertvolle Unterstützung liefern: So die Aminosäure L-Arginin, die im Körper in das gefäßschützende Molekül NO (Stickoxid) umgewandelt wird. NO fördert die Durchblutung und beugt Arteriosklerose vor. B-Vitamine und Folsäure senken den Spiegel der Aminosäure Homocystein, die als Mitverursacher der Arterienverkalkung angesehen wird. Ginkgo-Präparate verbessern die Fließeigenschaften des Blutes.

Durchblutungsstörungen der Venen

In den Venen befindet sich der größte Anteil des Blutes im Körper. Dieses sauerstoffarme Blut wird nur langsam und unter Zuhilfenahme der Muskelkraft zum Herzen zurücktransportiert. Bei älteren Menschen und infolge Bewegungsarmut können die venösen Blutgefäße erschlaffen, sodass sich das Blut in den Venen staut. Auch eine familiäre Veranlagung kann zu der Herausbildung der Venenschwäche beitragen. Die Erschlaffung und Weitung der Gefäße führt dazu, dass die Venenklappen nicht mehr richtig schließen und ihre Funktion als Rückschlagventil für das Blut verlieren. Durch den Blutstau bilden sich Besenreiser und Krampfadern, Beine und Füße beginnen nach langem Stehen oder Sitzen und bei Hitze anzuschwellen, sie kribbeln, jucken oder schmerzen.

Nicht nur für die Arterien, sondern auch für das angeschlagene Venensystem ist Bewegung das beste „Naturheilmittel“. Die Bewegung hält die Muskelpumpe am Laufen und das Blut bleibt in den Venen buchstäblich im Fluss. Dafür eignen sich alle Bewegungsarten, die lockere Beinarbeit verlangen. Lindernd wie auch vorbeugend wirken auch Kneippsche Anwendungen in Form von Wassertreten oder kalten Güssen – mit der gewünschten Folge, dass sich die Venen zusammenziehen. Zudem empfiehlt es sich, mehrmals täglich die Füße hochzulegen. Gegen schwere, müde Beine hilft das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Diese üben einen äußeren Druck auf die geweiteten Venen aus und unterstützen so den Blutrückfluss.

Ausgeprägte Krampfadern können durch operative Methoden beseitigt werden. Dank heutiger minimalinvasiver Operationstechniken sind nur noch kleine Schnitte nötig. Zu den verbreitetsten Behandlungen zählen Verödung und Stripping: Bei ersterer werden die betroffenen Venen dauerhaft verschlossen, bei letzterer werden die Krampfadern mit einer Sonde aus dem Bein gezogen. Bei neueren Verfahren wie der CHIVA-Methode oder der Externen Valvuloplastie können sogar die Venen erhalten bleiben.

Zur Verminderung des Thromboserisikos verschreibt der Arzt gerinnungshemmende Medikamente. Doch auch freiverkäufliche pflanzliche Präparate unterstützen die Venengesundheit, indem sie die Durchlässigkeit der Venenwände verringern und damit auch die typischen Schwellungen und Wasseransammlungen in den Beinen reduzieren. Bewährt haben sich hier Präparate, Tabletten und Kapseln aus Rosskastanie (Wirkstoff Aescin), rotem Weinlaub (Wirkstoff Flawen), dem japanischen Schnurbaum (Wirkstoff Rutin), Steinklee, Mäusedorn und Buchweizen. Venensalben oder Gels zur äußeren Anwendung gibt es in Apotheken in unterschiedlichen Ausführungen. Diese Salben enthalten meist Wirkstoffe wie Heparin, Aescin oder Tannin, welche die Venen stärken und zur Blutverdünnung beitragen. Daneben gibt es Gels und Salben mit ätherischen Ölen von Rosmarin, Eukalyptus, Latschenkiefer, Salbei oder Arnikablüten, die entzündungshemmend wirken, angenehm kühlen und dadurch zur Abschwellung führen. Homöopathische Mittel mit Bezug zur Venenschwäche sind z.B. Carbo vegetabilis (Holzkohle), Aesculus (Rosskastanie) und Hamamelis virginiana (Zaubernuss).