Traditionelle „Hausmittel“

Baldriantropfen
Das seit Jahrhunderten populärste pflanzliche Beruhigungsmittel ist die Baldriantinktur, die seit jeher von Apothekern aus den Wurzeln des deutschen Baldrians gewonnen und hergestellt wird (zum Beispiel Baldriantinktur Hetterich). Wer den Geschmack nicht mag, kann Dragees mit reinem Baldrian einnehmen, beispielsweise Baldriparan oder Baldrian Dispert. Baldrian hat eine milde Wirkung bei nervösen Unruhezuständen, Schlafstörungen und Wetterfühligkeit. Baldriantropfen werden auf Zucker
getropft und gelutscht, pur oder mit etwas Wasser verdünnt einge-nommen. Dragees werden bei Schlafstörungen etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen eingenommen.

Franzbranntwein
Franzbranntwein ist ein ursprünglich von Weinbauern in Frankreich hergestelltes Destillat. Dieses Hausmittel enthält die im Wein vorkommenden ätherischen Öle in alkoholischer Lösung. Nach Einreibung schmerzender Hautpartien entsteht anfangs ein Kühl-, danach ein wohliges Wärmegefühl. Die Tiefenwirkung der ätherischen Öle bewirkt eine gesteigerte Durchblutung der Hautgefäße und der Muskulatur, ebenso eine Schmerzlinderung bei Problemen im Bereich der Gelenke. Franzbranntwein eignet sich für Gelenkschmerzen, Sportverletzungen (Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen) und Blutergüsse. Für Patienten mit sehr trockener Haut empfiehlt sich ein Gel aus Franzbranntwein. Gele haften länger auf der Haut, ihre kühlende Wirkung hält mehrere Stunden an und sie trocknen nicht aus. Franzbranntwein ist nicht für Kinder geeignet! Und er darf nur bei intakter Haut eingerieben werden, da er bei offenen Wunden ein heftiges Brennen verursacht und die Wunde infizieren könnte.

Melissengeist
Bei Melissengeist handelt es sich um ein alkoholisch-wässriges Destillat aus verschiedenen Arzneipflanzen, die ätherische Öle enthalten. Die zum Teil seit mehreren hundert Jahren bekannten und bewährten Destillate können erfolgreich bei verschiedenen Befindlichkeitsstörungen ange-wendet werden. Sie werden vom Körper leicht aufgenommen und wirken beruhigend, krampflösend, entzündungswidrig, blähungstreibend und darüber hinaus hemmen sie das Keimwachstum.
Ihre funktionsunterstützende und -regulierende Wirksamkeit tritt rasch ein und wird normalerweise als „harmonisierend“ empfunden. Die ätherischen Öle im Melissengeist sind auch zur äußerlichen Anwendung sinnvoll, beispielsweise bei migräneartigen Kopfschmerzen, weil sie von der Haut aufgenommen werden und rasch in der Tiefe wirken. Dazu wird der Melissengeist vorsichtig auf Schläfen oder/und Stirn aufgetragen. Diese Form der Anwendung ist besonders dann geeignet, wenn Schmerztabletten wegen Übelkeit und Erbrechen nicht eingenommen werden können. Da ein Großteil der Migräneschmerzen durch Krämpfe der kleinen Blutgefäße im Kopf verursacht wird, besteht gute Aussicht auf rasche Krampflösung und Nachlassen der Schmerzen. Wegen seines hohen Alkoholanteils ist Melissengeist nicht für Kinder geeignet!