Nächtliche Ruhepause – Überlebenswichtig für Körper und Geist

Wer leben will, muss schlafen. Schlaf ist ein wichtiger Teil des Lebens. Er macht nicht nur schön und schlau, sondern ermöglicht Vitalität, Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Lebensfreude. Etwa sieben bis acht Stunden verbringt der Mensch jeden Tag im Reich der Träume.

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Schlafforscher gehen davon aus, dass der Mensch mindestens fünf Stunden Schlaf braucht, um gesund zu bleiben. Bei diesen Angaben geht es jedoch nicht nur um die absolute Zahl der Schlafstunden, sondern um die Erholungsfähigkeit. In der Schlafmedizin wird deshalb eher danach gefragt, ob der Schlaf ausgereicht hat, um sich am nächsten Tag frisch und erholt zu fühlen.

Schlaf ist lebensnotwendig

Während sich unsere Vorfahren noch ihr Lager unter Felsvorsprüngen einrichteten, bettet man sich heutzutage komfortabler. Mit Heu und Stroh gepolsterte Betten gibt es schon lange nicht mehr, aber das Erbe aus dieser Zeit steckt noch heute in den Genen. Als hauptsächlich visuelles Wesen war es für die Menschen einfach sicherer, mit Hereinbrechen der Nacht zum Lager zurückzukehren und abzuwarten. Im Laufe der Evolution hat sich der menschliche Organismus auf dieses tagaktive Programm eingestellt. Auch die Tatsache, dass jeder mehrmals nachts aufwacht und wieder einschläft, ist ein Phänomen aus dieser Zeit. Diese kleine nächtliche Störung war überlebenswichtig. Heute muss zwar keiner mehr befürchten, nachts angegriffen zu werden, trotzdem widerfährt jedem dieser kleine Sicherheits-Check der Natur.

Die Überbleibsel vergangener Zeit erfüllen in manchen Situationen noch heute ihren Zweck. Frisch gebackene Mütter wachen in regelmäßigen Abständen immer wieder auf, um scheinbar „instinktiv“ zu überprüfen, ob mit ihrem Baby alles in Ordnung ist. Auch reagieren die meisten Menschen auf ungewohnte Geräusche, während gewohnte sie friedlich weiterschlummern lassen – eine weitere Sicherheitsvorkehrung der Natur.

Als noch kein Fernseher bis spät in die Nacht flimmerte und vom Schlafen abhielt, entwickelte sich der Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen. Schlaf ist nicht das Gegenteil von Wachen, auch ist er keine Zeitverschwendung, sondern eine Lebensnotwendigkeit. Den Schlummerzustand nutzt der Körper, um den vergangenen Tag in seiner ganzen Fülle und Vielfältigkeit zu verarbeiten und den kommenden vorzubereiten. Körper und Geist erfahren eine Harmonisierung. Sinnvolles und Brauchbares wird vom Überflüssigen und Unbrauchbaren getrennt, eingelagert oder entsorgt. Für den nächsten Tag wird neue Energie geschaffen und bereitgestellt. Schlaf ist also eine höchst aktive Angelegenheit. Für diese komplexen Wartungsarbeiten verbraucht der Körper nur etwa 50 Kalorien weniger als im Wachzustand.

Was der Schlaf bewirkt

Während der Mensch ruht, schaltet der Körper seine Leistungs- und Wahrnehmungsfunktionen herunter und leitet Erholungs- und Regenerationsvorgänge ein. Er nutzt die Veränderung des Arbeitsmodus, um sich vom Tag zu erholen, den angefallenen Müll zu entsorgen und um sich selbst zu reparieren. Man geht davon aus, dass im Schlaf Organ- und Stoffwechselfunktionen „überholt“ und für ihre Arbeit „neu getaktet“ werden. Erholung, Wachstum und Regeneration finden vor allem im Immun- und Nervensystem sowie in Knochen und Muskeln statt.

Die Energie, die am Tage für das Bestehen in der Außenwelt benötigt wird, kann im Schlaf für die inneren Wartungsarbeiten eingesetzt werden. Nachts werden alte und abgestorbene Zellen durch neue und frische ersetzt. Jedes Organ und jeder Körperteil wächst um einen fein abgestimmten, winzigen Anteil. Beschädigte oder veränderte Zellen werden repariert oder entsorgt. Frisches Blut wird bereitgestellt und der Bestand an schützenden Botenstoffen aufgefrischt.

Zum wahren Jungbrunnen wird die Nacht, wenn dem Schlaf eine ähnliche Bedeutung entgegenbracht wird wie dem Tagwerk. Für gute Qualität sorgt jeder, der bereits während des Tages Vorkehrungen trifft. Wer sich um körperlichen und geistigen Ausgleich kümmert, hat optimale Startbedingungen. Das nächtliche Erholungsprogramm kann so unmittelbar beginnen, ohne dass sich erst um die Altlasten des Tages gekümmert werden muss. Die Systeme können mit voller Kraft ihre Nachtschicht beginnen.

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Nächtliche Nachhilfestunde

Im Schlaf passiert aber noch viel mehr, als nur den Körper wieder fit für den nächsten Tag zu machen. In der nächtlichen Ruhepause verarbeitet das Gehirn, was während des Tages an Informationen gesammelt wurde. Dem Gehirn ist es dabei egal, was wo und wie tagsüber im Gedächtnis abgelegt wurde. Erst in der Nacht werden erlebte Gefühle, erworbenes Wissen und Bewegungsmuster nicht nur sortiert und gespeichert, sondern auch gefestigt. Alles neu Gelernte kommt in der Schlummerstunde noch einmal dran. Wissen und Bewegungsabläufe werden von den beteiligten Nervenzellen immer wieder durchgespielt, bis der nächste Tag anbricht.

Es wird vermutet, dass es bei der nächtlichen Nachhilfestunde nicht nur um das reine Wiederholen geht. Vor allem in der ersten Schlafhälfte, der Tiefschlafphase, scheint das Gehirn auch zu weiteren Einsichten und Rückschlüssen fähig. Viele kreative Köpfe berichten von Träumen, die ihnen die Ideen und Lösungen präsentierten. Mittlerweile wurde das Phänomen auch schon in einigen Experimenten untersucht. Die Vermutung liegt nahe, dass Schlaf die Lernleistung verbessert sowie schlau und kreativ machen kann.

Macht Schlaf schön?

Wer nun meint, mit viel Schlaf schöner, jünger und besser zu werden, liegt falsch. Viel bringt auch beim Schlaf nicht viel. Studien gehen von sieben bis acht Stunden für einen gesunden Schlaf aus. Schläfer, die länger oder kürzer schliefen, hatten statistisch gesehen eine geringere Lebenserwartung. Der entscheidende Gradmesser ist, wie gut erholt man sich am nächsten Tag fühlt. Daher zählt das eigene Empfinden über die Schlafqualität mehr als die absolute Zahl der Schlafstunden. Schlaf ist eine Grundvoraussetzung für das Wohlbefinden. Im Prinzip holt sich der Körper den Schlaf, den er braucht, sofern seine Signale beachtet werden.

Tipps

Feste Position
Die meisten Menschen haben eine bevorzugte Schlafposition. Nur ganz wenige wechseln ihre Einschlaf-Stellung jede Nacht. Über die Hälfte schläft in Seitenlage ein.

„Müde bin ich, geh zur Ruh“
Eine Art „innere Uhr“ regelt, wann der Mensch müde wird und schlafen muss. Gemeint ist damit ein kompliziertes Zusammenspiel von Körper- und Nervenzellen. Ein winziger Nervenknoten im Gehirn, SCN genannt, dirigiert das vielstimmige Nerven-Orchester. Er reagiert auf das Schwinden des Tageslichts und veranlasst die Zirbeldrüse, das Schlafhormon Melatonin auszuschütten. Forscher konnten nachweisen, dass auch ein erbliches „Uhren“-Gen den Takt vorgibt. Dies erklärt, warum in manchen Familien gehäuft Frühaufsteher und in anderen vermehrt Langschläfer zu finden sind.

Wie wichtig ist Schlaf?
Die Bedeutung ist den meisten Menschen durchaus bewusst: Ganz intuitiv beschreiben sie in Umfragen, wie wichtig ihnen der Schlaf ist. Fast alle stimmen überein, dass Schlaf für sie Erholung, Gesundheit, Abschalten vom Stress, Vitalität und Lebenskraft bedeutet. Schlaf ist Frieden, Genuss und nach Aussage von Selbstständigen sogar auch Luxus.

Gesund schlafen
Bei Krankheiten einfach nur schlafen zu wollen, ist auch keine sinnlose Zeitverschwendung, sondern ein Bedürfnis des Körpers, alle Energien für die Abwehr zu mobilisieren.