Gut vorbereitet in die Schwangerschaft

Der Wunsch nach einem Kind ist ein Urbedürfnis der meisten Frauen.  Das heißt aber nicht nur, auf Verhütungsmethoden zu verzichten. Wichtig ist auch eine gezielte Vorbereitung, die wesentlich dazu beiträgt, eine Schwangerschaft zu begünstigen und einen bewussten Grundstein für die Zukunft des Kindes legt. So sind die seelische und körperliche Gesundheit der Eltern maßgeblich für die gesunde und ungestörte Entwicklung des Babys. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass der rasche Eintritt einer Schwangerschaft, ihr komplikationsfreier Verlauf und die Geburt eines gesunden Kindes in hohem Maße von der Gesundheit und Ernährungsweise beider Elternteile – Mutter wie Vater – schon vor der eingetretenen Schwangerschaft mitbestimmt werden.

Das sollten Frauen mit Kinderwunsch beachten

Um sich auf eine Schwangerschaft vorzubereiten, sollte bereits zum Zeitpunkt der Planung auf den Genuss von Alkohol und auf Zigaretten verzichtet werden. Auch ein gesundes Körpergewicht sollte erreicht oder gehalten werden, denn Über- und Untergewicht können sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken. Von wesentlicher Bedeutung vor der geplanten Schwangerschaft ist insbesondere die ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen durch eine gesunde, abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Früchten, Milch, Nüssen und Vollkorn. Nährstoffe spielen sowohl vorbeugend als auch therapeutisch eine wichtige Rolle: Sie schützen vor Entwicklungsstörungen, vermeiden oder lindern Beschwerden und unterstützen die Gesundheit der Mutter und die Entwicklung des Kindes.

Besonders wichtiger Nährstoff: Folsäure für ein gesundes Kind

Das Vitamin Folsäure ist wichtig für die Teilung und Funktion von Zellen, d. h. der Bedarf ist bei raschem Wachstum, insbesondere in der Frühschwangerschaft, erhöht.

Das Ungeborene braucht für sein Wachstum folglich viel Folsäure, entsprechend ist der Bedarf der Mutter deutlich erhöht. Spätestens dann, wenn nicht mehr verhütet wird, sollten alle Frauen, die sich ein Kind wünschen, speziell dosierte Folsäure-Tabletten einnehmen. Die konsequente Einnahme mindestens vier Wochen vor einer Empfängnis bis einschließlich des dritten Schwangerschaftsmonats führt zu Folsäure-Spiegeln im Blut und Gewebe der Mutter, die vor kindlichen Missbildungen schützen.

Folsäure wirkt in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen vorbeugend gegen die Entstehung einer schweren Missbildung des Kindes: der Spina bifida („offener Rücken“).

„Offener Rücken“

Unter Spina bifida versteht man eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks, die in der dritten bis vierten Schwangerschaftswoche entsteht. Das Rückenmark und die Wirbelsäule entwickeln sich in den ersten Schwangerschaftswochen aus dem so genannten Neuralrohr. Schließt sich dieses Neuralrohr nicht vollständig, bleiben Wirbelkörper offen, und es entsteht eine Spina bifida. In den meisten Fällen befindet sich der „offene Rücken’“ im Bereich der unteren Wirbelsäule. Die Folgen des offenen Rückens beim Neugeborenen hängen vom Schweregrad der Schädigung ab.

Wichtig:
Die Bildung des Rückenmarks und Ausbildung des Neuralrohrs findet schon in der dritten bis vierten Woche nach der Empfängnis statt, zu einem Zeitpunkt also, bei dem die Schwangerschaft meist noch nicht bekannt ist. Deshalb sollte spätestens bei „Verdacht“ auf eine mögliche Schwangerschaft sofort mit der Einnahme von Folsäurepräparaten begonnen werden.

Folsäure wird oft zu spät eingenommen

Umfragen zufolge fangen viele Frauen jedoch zu spät – erst nach festgestellter Schwangerschaft – mit der Einnahme an, schlucken die Tabletten unregelmäßig oder wählen zu niedrig dosierte Produkte. Die empfohlene Tagesdosis von 800 Mikrogramm Folsäure für Schwangere wird kaum genügend über die Nahrung erreicht. In Westeuropa beträgt die durchschnittliche Einnahme bei jungen Frauen meist weniger als 200 Mikrogramm.

Tipps aus der Apotheke

Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Kontrazeption durchführen und schwanger werden möchten, sollten neben einer folsäurereichen Nahrung kontinuierlich Folsäure-Präparate mit 800 Mikrogramm zu sich nehmen. Folsäure sollte vier Wochen vor Beendigung der Kontrazeption und mindestens drei bis vier Monate über den Schwangerschaftsbeginn hinaus eingenommen werden. Empfohlen werden Präparate, die neben Folsäure zusätzlich noch Vitamin B12 und Jod enthalten. Über die persönliche Anwendung und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel informieren der Frauenarzt und der Apotheker.