Die Mistel in der palliativen Onkologie

Palliative Therapieformen spielen gerade im Bereich der Onkologie eine wichtige Rolle. Sie können die Tumorerkrankung zwar meist nicht mehr heilen, aber ihre Symptome lindern und die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessern.

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Die Misteltherapie zählt zu den am häufigsten angewandten Therapieformen der komplementären Krebstherapie und kann in jedem Stadium einer Erkrankung durchgeführt werden – auch in einer palliativen Situation, die dann vorliegt, wenn für den Patienten kein kurativer Ansatz mehr besteht. Dabei ist es wichtig, zwischen der palliativen Tumortherapie und der Palliativmedizin im klassischen Sinne zu unterscheiden. Während die Palliativmedizin sich auf das Endstadium einer Erkrankung konzentriert, umfasst die palliative Tumortherapie alle Patienten ab Diagnosestellung eines nicht mehr heilbaren Tumors. Dazu gehören Patienten mit metastasierenden Tumorerkrankungen (Stadium IV oder M1 nach TNM-Klassifikation), inoperablen Tumoren oder bei unvollständiger Entfernung eines Tumors. Auch Patienten, die eine kurative Therapieform ablehnen, fallen in diese Kategorie.

Die Palliativmedizin behandelt in erster Linie schwerwiegende tumorbedingte Beschwerden. Ihr Ziel ist es, eine möglichst hohe Lebensqualität des Patienten im Endstadium seiner Erkrankung zu erhalten. Die palliative Tumortherapie will bei bestmöglicher Lebensqualität eine hohe Autonomie des Patienten bewahren und wenn möglich eine Verlängerung der Überlebenszeit erreichen. Hier spielen sowohl schulmedizinische Verfahren wie Operation, Chemotherapie, Hormon- oder Strahlentherapie als auch komplementäronkologische Therapien wie Ernährung, Psychoonkologie oder Misteltherapie eine Rolle.

Effektivität der Mistel erwiesen

Die Effektivität der Mistel in der komplementären Krebstherapie ist wissenschaftlich belegt. Über 130 klinische Studien zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Mistelprodukten sowie zahlreiche Erfahrungsberichte liegen bereits vor. Von besonderer Relevanz für den palliativen Bereich sind unter anderem folgende beiden Studien: Die Studie von Piao et al. aus dem Jahr 2004 belegt der Misteltherapie klar erkennbare, positive Auswirkungen auf die Lebensqualität von Patienten mit Brust-, Ovarial- und Lungenkarzinom. Typische Symptome wie Fatigue (starke, anhaltende Müdigkeit), Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schmerzen, Depression und Angst konnten gelindert werden. Das emotionale Wohlbefinden sowie die körperliche Aktivität und Konzentrationsfähigkeit wurden gesteigert. Die 2013 veröffentlichte Studie von Mansky et al. untersuchte den Einfluss der Misteltherapie mit Helixor A auf die Wirksamkeit und Sicherheit von Gemcitabin, das als Zytostatikum bei verschiedenen Tumoren eingesetzt wird. Studienteilnehmer waren palliative Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren in Brust, Darm, Bauchspeicheldrüse und Lunge. Die Studie zeigt auf, dass die Mistel die Wirkung einer Chemotherapie nicht negativ beeinträchtigt. Vielmehr kann sie deren Wirkung sogar verbessern: Die Verträglichkeit des Zellgiftes (Gemcitabin) wird durch die Misteltherapie gesteigert und kann daher höher dosiert werden.

Nach der aktuellen Arzneimittelrichtlinie ist sowohl die anthroposophische als auch die phytotherapeutische Misteltherapie im Indikationsgebiet „maligner Tumor“ mit dem Ziel „palliative Tumortherapie zur Verbesserung der Lebensqualität“ kassenärztlich verordnungs- und erstattungsfähig.