Besser denken, mehr Konzentration

Ständig steigende Anforderungen im Berufsleben und eine insgesamt höhere Lebenserwartung sind Gründe genug dafür, dass unser Gehirn so gut wie möglich funktionieren soll – und natürlich auch so lange wie möglich. Zum Glück lässt sich dafür einiges tun.

Ohne geht’s nicht: Das Gedächtnis hilft uns nicht nur beim Lernen und Begreifen, sondern macht dank seiner Erinnerungs- und Merkfähigkeit das menschliche und soziale Leben erst möglich. Würde uns der eingebaute Informationsspeicher fehlen, könnten wir beispielsweise nicht lesen, nicht schreiben und den Weg nach Hause nicht finden. Wir würden ständig unsere Sachen verlegen und wären ziemlich einsam, weil wir Freunde und Familie gar nicht wiedererkennen würden. Das Gedächtnis verwaltet und sortiert unsere Erfahrungen und Erlebnisse, verwandelt sie in Erinnerungen und gestaltet so unsere Persönlichkeit mit. Außerdem muss es in einer Zeit des rasanten technischen Fortschritts und gesellschaftlichen Wandels immer wieder Neues dazulernen. Umso wichtiger ist es, sein Gehirn fit zu halten, um nicht den Anschluss zu verlieren. Das gilt für Jüngere, die mitten im Leben stehen, aber noch mehr für Ältere. Und es ist nie zu spät, etwas für die grauen Zellen zu tun.

Während man noch vor zwanzig Jahren glaubte, dass die Lern- und Anpassungsfähigkeit des Gehirns größtenteils auf das Kinder- und Jugendalter beschränkt sei, konnten Wissenschaftler am Max-Planck-Institut nachweisen, dass unser Gehirn die Fähigkeit zu plastischer Veränderung bis ins Alter behält. Es passt sich zeitlebens an die jeweils herrschenden Anforderungen der Umwelt an. Nur müssen ältere Menschen mehr dafür tun. Die Forscher testeten dies in der so genannten Cogito-Studie, für die sie rund 200 jüngere und ältere Erwachsene untersuchten. Zunächst wurde das Leistungsniveau getestet, anschließend absolvierten die Probanden ein halbjährliches Training, wobei die regelmäßig zu lösenden Aufgaben ein breites geistiges Spektrum wie Arbeitsgedächtnis, Reaktionsgeschwindigkeit und logisches Denken beanspruchten. Nach Abschluss der Übungsphase maßen die Psychologen das Leistungsniveau erneut. Die Ergebnisse zeigten eindeutig, dass sich der Trainingseffekt nicht nur auf die geübten Aufgaben erstreckte, sondern allgemein Arbeitsgedächtnis, episodisches Gedächtnis und Denkfähigkeit verbessert wurden – besonders bei den jüngeren Teilnehmern. Bei den Älteren profitierte vor allem das Arbeitsgedächtnis.

Sudoku und Kreuzworträtsel sind nicht genug

Anhand von Untersuchungen mit einem speziellen MRT-Verfahren (Magnetresonanztomografie) konnte im Weiteren nachgewiesen werden, dass sich bei allen Probanden die Anzahl der Nervenfasern in bestimmten Teilen des Gehirns erhöht hatte, beide Hirnhälften wurden stärker miteinander vernetzt. Wer also seine geistigen Fähigkeiten steigern oder zumindest erhalten will, sollte sein Denkorgan immer wieder herausfordern. Das wöchentliche Kreuzworträtsel oder Sudoku ist dafür allerdings nicht ausreichend – denn hierbei wird vor allem auf vorhandenes Wissen beziehungsweise abgespeicherte Lösungsstrategien zurückgegriffen. Effektiver ist es, seinen Grips richtig anzustrengen, sich auf Unbekanntes einzulassen und neue anspruchsvolle Dinge zu erlernen. Das kann eine Fremdsprache sein, ein schwieriger Tanz, ein Musikinstrument, die Anwendung eines neuen Computerprogramms oder das regelmäßige Bridge- oder Schachspiel.

Auch im Alltag sollte man es seinem Köpfchen nicht zu leicht machen. Statt sich zum Beispiel auf unbekannten Wegen vom Navigationsgerät helfen zu lassen, lieber zum altbewährten Stadtplan oder der Landkarte greifen. Denn Untersuchungen haben ergeben, dass räumliche Orientierungsaufgaben ideal sind, um die Sinneswahrnehmung und Aufmerksamkeit zu trainieren und dem altersbedingten Abbau der grauen Zellen entgegenzuwirken. Hilfreich können hier übrigens sogar viele Computerspiele sein, in denen man sich in fremden Welten orientieren und strategisch denken muss. Sie lassen das Gehirn nachweislich wachsen und der Spaßfaktor erhöht den positiven Effekt noch. Spaß macht auch das Zusammensein mit anderen Menschen. Und mehrere Studien zeigen, dass Geselligkeit geistig fit hält und die Lernfähigkeit fördert – auch noch im hohen Alter. Besonders deutlich ist die Wirkung, wenn die sozialen Kontakte mit einer anregenden Umgebung und körperlicher Bewegung verbunden sind, wie etwa bei einem Tanzkurs.

Sport bringt auch das Gehirn auf Trab

Grundsätzlich leistet Bewegung einen wichtigen Beitrag zur geistigen Fitness. So ließen kanadische Forscher unsportliche Erwachsene zweimal pro Woche ein intensives Intervalltraining machen. Nach vier Monaten verfügten die Teilnehmer nicht nur über eine bessere Kondition, sondern schnitten auch in Tests zur geistigen Leistungsfähigkeit deutlich besser ab. Die Ursachen dafür sehen die Experten zum einen in der kurzfristigen Wirkung von Sport: Das Gehirn wird je nach Intensität der Trainingseinheit um bis zu 20 und 30 Prozent stärker durchblutet und bekommt mehr Sauerstoff. Außerdem werden größere Mengen biochemischer Botenstoffe ausgeschüttet, was der Denkleistung zugute kommt. Zum anderen treten bei langfristig regelmäßig betriebenem Sport auch tiefgreifende Veränderungen im Gehirn auf – die Bildung neuer Synapsen und Umbaumechanismen wird direkt gefördert. Beste Argumente also, öfter die Jogging-, Tennis- oder Turnschuhe anzuziehen und körperlich aktiv zu werden!

Neben soviel Aktivität brauchen Kopf und Körper aber zum Ausgleich ebenso ausreichend Ruhe und Erholung. Denn auch vom Schlaf profitiert das so genannte „Hirnschmalz“. Während des Schlummerns integriert und analysiert das Gehirn die Erfahrungen des Tages. Alle relevanten Gedächtnisinhalte werden verankert und sogar verstärkt sowie neue Verknüpfungen von Gehirnzellen hergestellt. Neurologen warnen sogar, dass Schlafmangel die Entstehung von Demenz fördern könne. Eine Gruppe von Wissenschaftlern an der Universität Rochester konnte in speziellen Untersuchungen an Mäusen beispielsweise nachweisen, dass das Gehirn im Schlaf damit beschäftigt ist, giftige Nebenprodukte des Vortages zu beseitigen. Wird dieser Prozess durch zu wenig Schlaf gestört, könnten durch die Ansammlung von Giftstoffen altersbedingte Verfallserscheinungen und Erkrankungen wie Alzheimer auftreten, so die These der Experten. Dies ist umso alarmierender, da in unserer modernen Gesellschaft etwa 80 Prozent der arbeitenden Bevölkerung unter Schlafmangel leiden. Erhebungen zufolge schlummern wir heute durchschnittlich etwa zwei Stunden weniger als noch vor 50 Jahren.

Wer Probleme mit der Nachtruhe hat, sollte daher seine Schlafgewohnheiten überdenken. Zusätzlich können oft pflanzliche Mittel wie Baldrian, Passionsblume oder Melisse dabei helfen, sanft ins Reich der Träume zu gleiten. Viele Heilpflanzen dienen im Übrigen auch der Stärkung des Gehirns. Bewährt haben sich hier beispielsweise Präparate mit Ginseng, Ginkgo, Knoblauch oder Rosmarin. Sie können durchblutungsfördernd wirken beziehungsweise die Produktion von Botenstoffen im Gehirn stimulieren. Auch Lecithin, die B-Vitamine und Folsäure werden traditionell gegen Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche eingesetzt. Es gibt also viele Wege, die geistige Leistungskraft zu unterstützen, um möglichst bis ins hohe Alter fit und rege im Kopf zu bleiben.

Tipp:

Feinde des Gehirns
1. Faulenzen: Schon nach wenigen Tagen des Nichtstuns sinkt der IQ um fünf Punkte, das Gehirn geht auf Sparmodus.
2. Alkohol: Schon kleine Mengen genügen, damit Informationen im Gehirn langsamer verarbeitet werden. Zudem kann das Nervengift die Zellen schädigen.
3. Rauchen: Nikotin beeinträchtigt das Gedächtnis und die Lernfähigkeit und führt zu einem schnelleren geistigen Abbau, wie eine britische Studie ergab.
4. Stress: Kurzzeitiger Stress kann zwar mitunter zu Höchstleistungen motivieren, aber chronische Überlastung mindert die Gehirnleistung und verursacht demenzähnliche Symptome.
5. Übergewicht: Starkes Übergewicht kann zu dauerhaften Schäden im Gehirn führen, wie Wissenschaftler der Universität Leipzig feststellten. Ursache ist eine bei dicken Menschen vorkommende Entzündung in der Steuerzentrale unseres Denkorgans.

Tipp:

Trinken erwünscht!
Da das Gehirn zu 85 Prozent aus Wasser besteht, sollte grundsätzlich auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Mindestens ein bis zwei Liter sollten es pro Tag sein, sonst kann es zu Gedächtnisstörungen kommen.