Was die Pupillenweitung verrät

Eigentlich freut man sich ja über Augenkontakt und man  mag es auch, angeschaut zu werden – bis zu einer gewissen  Grenze, ab der es unbehaglich wird. Britische Psychologen  um Nicola Binetti vom University College London gingen  der Frage nach, wo genau diese Grenze liegt. Interessanterweise dient die Pupillenveränderung als guter Gradmesser.

Sozialer Kontakt findet bei  Menschen wie bei Tieren häufig über die Augen  statt. Der Blickkontakt kann  sowohl freundliches Interesse als auch  Bedrohung signalisieren. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch in der unwillkürlichen Reaktion des Angeschauten.  Ein kürzerer Augenkontakt wird in der  Regel als durchaus angenehm empfunden, auch zwischen vollkommen Fremden. Dass man die Augen wunderbar zum Flirten einsetzen kann,  weiß jeder, der es selbst schon mal probiert hat. Dauert der Blickkontakt aber  zu lange, löst er beim Anderen Verunsicherung, eventuell auch Angst,  Abneigung oder Ärger aus.

Große Pupillen, längerer Blickkontakt

In einer Studie testeten die Psychologen von der University of London die  Dauer des als angenehm empfundenen Blickkontakts. 498 Besucher eines Londoner Museums füllten erst einen  Fragebogen zu ihrer Persönlichkeit  aus und betrachteten dann auf einem Bildschirm 40 Videoclips von Schauspielern und Schauspielerinnen, die  ihnen in unterschiedlicher Dauer in  die Augen blickten. Per Knopfdruck  konnten die Teilnehmer angeben, ab
wann ihnen diese Zeitspanne zu lang  war. Im Durchschnitt wurde eine  Grenze von 3,3 Sekunden ermittelt, bis  zu der der Blick noch als angenehm
empfunden wird.

Aufschlussreich waren allerdings die  Details: Die Messung der Pupillenreaktion zeigte, dass diese sich bei  Menschen, die längeren Blickkontakt bevorzugten, stärker und länger  weiteten. Entgegen der Erwartung  hatte die Pupillenreaktion und die  damit korrespondierende erwünschte  Dauer des Blickkontakts nichts mit  Faktoren wie Geschlecht, Attraktivität oder Persönlichkeitsmerkmalen  zu tun, sondern war offensichtlich auf  physiologische Erregungsmuster des  vegetativen Nervensystems zurückzuführen, also auf unbewusste und  unwillkürliche Auslöser. Die Autoren  spekulieren, dass bei den Versuchspersonen, die mit längerem Blickkontakt zurechtkommen, das Gesichtserkennungszentrum im Gehirn rascher  arbeitet, welches die soziale Interaktion und Kommunikation mitbestimmt. Wer sein Gegenüber rascher einschätzen kann, hält offenbar auch  den Blickkontakt länger aus.