Impfungen im internationalen Reiseverkehr

Gelbfieber ist eine seltene, durch Stechmücken übertragene Viruskrankheit, die oft tödlich verläuft. Einige Staaten verlangen einen Nachweis über eine erfolgte Gelbfieber-Impfung, ansonsten können sie die Einreise verweigern. Die Entscheidung über eine Gelbfieber-Impfung sollte jedoch nicht allein von den Einreisebestimmungen abhängig gemacht werden, da die Impfung auch vor Reisen in zahlreiche weitere Gebiete des tropischen Lateinamerikas und Afrikas ratsam ist. Genauere Auskünfte sind bei den Gelbfieberimpfstellen erhältlich. Die einmalige Impfung ist sehr gut verträglich und verleiht einen ausgezeichneten, vermutlich lebenslang anhaltenden Schutz. Einige Staaten fordern entsprechend überholter Impfempfehlungen aber möglicherweise immer noch eine Auffrischungsimpfung nach zehn Jahren als Einreisevoraussetzung.

Cholera ist eine akute Durchfallerkrankung, die meist in warmen Regionen mit niedrigem Hygienestandard verbreitet ist. Einige wenige Länder verlangen von Reisenden unter Umständen den Nachweis über eine erfolgte Cholera-Impfung, etwa von Seeleuten oder wenn die Einreise aus einem Staat erfolgt, in dem die Krankheit verbreitet ist. Bei der Impfung handelt es sich um eine Schluckimpfung, die bis zu einem gewissen Grad auch einen Schutz bietet gegen Reisedurchfall, der durch E. coli-Bakterien hervorgerufen wird. Da Touristen jedoch nur sehr selten an der Cholera erkranken (einer von zwei Millionen), wird die Impfung in der Regel nicht empfohlen. Der eigentliche Schutz vor Cholera sollte durch das Einhalten gängiger Hygiene-Richtlinien erfolgen.

Typhus (Typhus abdominalis) ist eine schwere, fieberhafte, in allen südlichen Ländern verbreitete Infektionskrankheit. In den Tropen erkrankt etwa einer von 25.000 Reisenden (in Indien, Nordafrika und dem Senegal sogar einer von 3.000). Eine Impfung ist für alle Reisenden angebracht, die diese Risikoländer besuchen oder sich anderswo unter ungünstigen hygienischen Verhältnissen verpflegen, die magenoperiert sind oder Medikamente gegen Übersäuerung des Magens einnehmen müssen.

Hepatitis A: Etwa einer von 300 Tropenreisenden erkrankt nach einem Aufenthalt an Hepatitis. In der Mehrzahl handelt es sich um die eher gutartige Hepatitis A (infektiöse Gelbsucht, eine Virusinfektion der Leber, nicht zu verwechseln mit Gelbfieber). Es steht ein Impfstoff zur Verfügung, der angesichts des erheblichen Infektionsrisikos allen Reisenden in Entwicklungsländern empfohlen wird. Das früher häufig gebräuchliche Immunglobulin ist wegen der beschränkten, nur wenige Monate anhaltenden Schutzwirkung der neueren und spezifisch wirksamen, zweimaligen Impfung zwar unterlegen, verleiht aber bei Einmalgabe sofortigen Schutz. Eine Kombinationsimpfung von Hepatitis A und B oder aber von Hepatitis A und Typhus ist möglich.

Hepatitis B (Gelbsucht) wird in der Regel durch Blut (Zahnbehandlungen, Transfusionen, medizinische Instrumente, Injektionsnadeln, Tätowierung, Akupunktur, Piercing, Friseurbesuch), aber auch durch Sexualkontakte übertragen. Die Hepatitis B-Impfung ist angezeigt für Personen mit diesem Expositionsrisiko oder für solche mit längerem Aufenthalt in einem Entwicklungsland. Die zur Verfügung stehende Kombinationsimpfung gegen Hepatitis A und B ist empfehlenswert.

Meningitis (Meningokokken-Hirnhautentzündung): In Deutschland wird derzeit nur die Impfung gegen den Meningokokken-Serotyp C allgemein empfohlen. Es gibt jedoch noch weitere Serotypen, gegen die ebenfalls eine Impfung möglich ist. Ein neu entwickelter Impfstoff bietet beispielsweise Schutz gegen den insbesondere in Mitteleuropa und Brasilien vorkommenden Serotyp B, aufgrund noch unzureichender Datenlage wird dieser jedoch noch nicht generell empfohlen. Bei Langzeitreisen in bestimmte Regionen Afrikas (Meningitisgürtel), Asiens (vor allem Nepal und Indien) und Südamerikas kann darüber hinaus auch die Vierfachimpfung gegen die Serotypen A, C, W135 und Y ratsam sein,
insbesondere bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung.

Tollwut kommt vor allem in weiten Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas vor, aber auch in einigen Regionen Europas. Sie befällt häufig Hunde, aber auch andere Haus- und Wildsäugetiere, z. B. Fledermäuse. Wenn die ersten Symptome aufgetreten sind, ist die Erkrankung so gut wie immer tödlich. Eine Impfung ist angezeigt
bei beruflicher Exposition oder für Menschen, die längere Zeit in diesen Gebieten leben und häufig Tierkontakt (z. B. Jäger und Biologen) haben.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME, Hirnhautentzündung): Das Verbreitungsgebiet dieser durch Zecken übertragenen Krankheit reicht vom französischen Elsass-Lothringen im Westen bis nach Japan im Osten, wobei in vielen Regionen jedoch höchstens sporadische Fälle gemeldet werden. Die meisten Infektionen treten in Russland und in den baltischen Staaten auf. Aber auch in Süd- und Mitteldeutschland, Österreich, der Schweiz, in weiten Teilen Ost- und Südosteuropas sowie dem südlichen Skandinavien gibt es noch nennenswerte Infektionszahlen. Zu einer Schutzimpfung wird Personen geraten, die sich aus beruflichen Gründen oder aufgrund ihrer Freizeitaktivitäten (Jogger, Naturfreunde) viel in den FSME-verseuchten Wäldern (speziell im Unterholz!) aufhalten. Auskünfte und Informationen über Endemiegebiete sind beim Hausarzt oder Ihrem Apotheker erhältlich.

Japanische Enzephalitis kommt in Südostasien vor und wird durch Mücken auf den Menschen übertragen. Eine Impfung sollte in Erwägung gezogen werden, wenn sich Reisende mehr als einen Monat während der mückenreichen Zeit in ländlichen Gegenden der betroffenen Länder aufhalten. Besonders hoch ist das Infektionsrisiko in Gebieten mit gleichzeitiger Wasserwirtschaft (beispielsweise Reisanbau), Schweinezucht und häufigem Vorkommen von Wasservögeln.

Für immunschwache und HIV-positive Reisende gilt:
Bei symptomfreier HIV-Infektion sollten sich die Betroffenen dem Impfplan gemäß impfen lassen. Bei schwerer Immunschwäche (etwa durch eine ausgebrochene AIDS-Erkrankung) sind jedoch sämtliche Lebend-Impfstoffe zu meiden, das bedeutet:
• Gelbfieber: nur dann, wenn unbedingt nötig
• Typhus: Spritzen statt Schluckimpfung
• MMR: Impfung vermeiden bei AIDS-Erkrankung