Wundpflege leicht gemacht

Der Alltag steckt voller Gefahren. Eine Schnittverletzung, ein Sturz mit dem Fahrrad – schnell ist etwas passiert. Bagatellverletzungen kann man selbst behandeln. Verbrennungen sowie tiefere Wunden sind wegen des Risikos von Infektionen immer ein Fall für den Arzt.

Eine Wunde ist eine Verletzung der Haut. Damit diese wieder gut verheilt, muss sie versorgt und gepflegt werden. Kleine Verletzungen kann man sofort mit einem einfachen Pflaster selbst behandeln. Zwar setzt gleich nach der Entstehung einer Wunde die natürliche Wundheilung des Körpers ein, doch mit einer optimalen Wundpflege lässt sich diese wesentlich erleichtern. Auf welche Weise das geschieht, hängt vor allem von der Art der Verletzung, der Größe einer Wunde als auch von den betroffenen Hautschichten ab. Während oberflächliche Wunden bereits nach ein paar Tagen wieder verheilen, brauchen tiefere Wunden mehr Zeit.

Bei oberflächlichen sowie leicht blutenden Wunden genügt ein herkömmlicher Schutzverband mit möglichst sterilem Verbandmaterial. Schürfwunden sollten zunächst, bevor man sie verbindet, behutsam mit Wasser von grobem Schmutz befreit werden. Doch Vorsicht: Wunden, außer Verbrennungen und Verätzungen, nicht auswaschen! Gegebenenfalls kann ein antiseptisches Mittel zur Desinfektion der Haut angewendet werden. Bei der Erstversorgung von blutenden Wunden anderer Personen sollte man nach Möglichkeit Schutzhandschuhe tragen, um sich vor der Übertragung von Viren zu schützen. Vorschädigungen der Haut können zu Störungen der Wundheilung führen. Dazu gehören bestimmte Krankheiten wie Diabetes mellitus, die Einnahme von bestimmten Medikamenten oder langwierige Entzündungen. Bei der Wundversorgung sollte man besonders umsichtig vorgehen und bei Unsicherheit lieber einen Arzt zu Rate ziehen.

Wundversorgung zuhause

Für eine gute Wundpflege muss in der Hausapotheke ausreichend Verbandmaterial wie Wundauflagen, Pflaster, Mullbinden, Kompressen, Desinfektionsmittel, Wundsalben als auch sterile Wattetupfer vorhanden sein.

Immer hilfreich sind Medikamente mit keimabtötender beziehungsweise entzündungshemmender Wirkung. Der Wirkstoff Thyrothricin (als Gel oder Puder) ist ein Lokalantibiotikum, das bakterielle Entzündungserreger beseitigt und dem Körper eine unkomplizierte Selbstheilung ermöglicht. Eine Dexpanthenol-Salbe unterstützt die Neubildung von Hautzellen und ist zugleich entzündungshemmend. Zur Gruppe der antiseptischen Mittel, die das Wachstum von Krankheitskeimen auf der Haut hemmen, gehört auch Chinolinolsulfat-Kaliumsulfat. Doch auch mineralische und pflanzliche Substanzen tragen zur Wundheilung bei, hierzu gehören Zink(oxid), Hamamelis, Calendula, Kamillenblüte und Schafgarbe. Diese sind zumeist als Bestandteil von Heilsalben, Cremes und Ölen erhältlich.
Während schmutzig gewordene Schürfwunden vorsichtig mit Wasser zu reinigen sind, dürfen stark verschmutzte Wunden nur von einem Arzt behandelt werden. Verbrennungen sollten unmittelbar bis maximal fünf Minuten nach Entfernen der Hitzequelle gekühlt werden. Damit lassen sich die Schmerzen lindern und die Verbrennung eingrenzen. Für die Kühlung kleinerer Verbrennungen empfiehlt sich die Verwendung von kühlem, jedoch nicht kaltem Leitungswasser (ca. 20 Grad). Kühlungen mit Eis unbedingt vermeiden, da dies zu Erfrierungen führen kann. Um Infektionen vorzubeugen, sollte möglichst nur keimarmes Wasser (Leitungswasser ist ideal) verwendet werden. Übrigens: Auf Brandblasen gehören keine Salben, Öle, Mehl oder Puder.

Tiefere und größere Wunden versorgt der Arzt

Während kleinere Wunden selbst behandelbar sind, müssen tiefere und größere Wunden innerhalb kurzer Zeit von einem Arzt begutachtet werden. Da die Gefahr eines zu hohen Blutverlusts oder einer Infektion besteht, sollten Verbrennungen, Platzwunden, Erfrierungen, Verätzungen, Riss- oder Bisswunden immer von einem Rettungsdienst beziehungsweise Arzt versorgt werden. Ebenso bei Verletzungen im Gesicht, da sie eventuell genäht, gestrippt oder geklammert werden müssen. Auch Fremdkörper sollte ausschließlich der Arzt aus Wunden entfernen. Falls kein Impfschutz gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) besteht oder dieser nicht bekannt ist, muss auch an eine Impfung gedacht werden. Stärkere Blutungen stoppt man, indem mit einer sterilen Kompresse die Wunde abgedeckt und diese dann unter leichtem Druck mit einer Mullbinde befestigt wird. Klaffende Schnittwunden verheilen besser, wenn die Wundränder schon in den ersten Stunden nach dem Unfall möglichst nahe zusammengebracht werden.
Dazu eignet sich ein Zugpflaster.

Mit chronischen Wunden zum Experten

Werden akute Wunden nicht richtig behandelt oder treten während des Heilungsprozesses Komplikationen auf, kann sich daraus eine chronische Wunde entwickeln. Von chronischen Wunden spricht man, wenn sich innerhalb vier bis zwölf Wochen trotz fachgerechter Therapie keine Heilungstendenz zeigt. Häufig sind Erkrankungen der Venen, Durchblutungsstörungen bei Diabetes oder eine arterielle Verschlusskrankheit der Grund für eine schlechtere Wundheilung.

Die Behandlung chronischer Wunden gehört in die Hände eines Arztes oder Wundtherapeuten. Die so genannte feuchte Wundbehandlung fördert den natürlichen Heilungsprozess und senkt das Risiko der Narbenbildung. Das feuchte Wundmilieu verhindert die Bildung eines Wundschorfs, neugebildete Gewebezellen können so viel leichter wachsen. Hinzu kommt, dass sich auch der Verbandwechsel einfacher und schmerzarmer gestaltet.

Tipp: Die Nachbehandlung

Ein weiteres Thema bei der Wundbehandlung ist die Vermeidung unschöner Narben. Auch hier gibt es Medikamente in Salben, Gelen und Cremes, die das Narbengewebe weicher und geschmeidiger machen und Hautwucherungen entgegen wirken. Mit der Anwendung sollte man wenige Tage nach dem Schließen der Wunde beginnen und diese für eine geraume Zeit regelmäßig fortführen.