Wickel und Packungen

Durch den „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp sind die Anwendungen von Wickeln und Packungen für Patienten aller Altersstufen sehr populär geworden. Je nach Indikation werden sie trocken oder nass, warm oder kalt, für den ganzen Körper oder gezielt an Armen und Beinen, aber immer nach genauen Vorschriften ausgeführt. Sie sollen entweder Wärme entziehen, Wärme stauen oder Schweiß treiben. Dem Wasser, in dem die Umschlagtücher eingeweicht werden, können Extrakte aus Kamillenblüten, Zinnkraut, Eichenrinde oder Haferstroh zur Wirkungsverstärkung beigegeben werden. Auch Essigwasser, Lehm und sogar Senfmehl sind in Einzelfällen geeignet.

Körperregionen, die mit Packungen oder Wickeln behandelt werden, sind Leib, Lenden, Brust, Waden und der Hals. Die vorgeschriebenen Tücher werden in drei Lagen aufgelegt: Für den unmittelbaren Hautkontakt ein Tuch aus Leinen, ein mittleres Tuch aus Baumwolle und ein äußeres Tuch aus Wolle oder Flanell. Die Größe der benötigten Tücher richtet sich nach dem zu versorgenden Körperteil. Es gibt auch spezielle Kneipp’sche Wickeltücher, jedoch kann in der häuslichen Krankenpflege durchaus improvisiert werden. Wickel oder Packungen zum Wärmeentzug (gegen Fieber) werden den Umständen entsprechend angemessen lange auf dem Körper belassen. Zur Erreichung eines Wärmestaus sollen die Tücher 45 bis 60 Minuten, als schweißtreibende Packung bis zu zwei Stunden liegen bleiben.

Wie läuft das praktisch ab? Nehmen wir zur Beschreibung beispielsweise die Anwendung eines Schmalzwickels bei Husten: Hier reicht meist ein Tuch in der Größe eines Herrentaschentuchs aus. Auf dieses wird messerrückendick Schweineschmalz aufgetragen. Im Backofen wird das Tuch mit dem Schmalz aufgewärmt und frischer Muskat darüber gerieben.
Danach kommt das Schmalztuch direkt auf die Brust des Patienten – es sollte so heiß wie möglich sein, daher vorher unbedingt mit dem Ellenbogen die Temperatur testen. Mit einem Gästetuch und darüber einem Wollschal wird die Schmalzpackung abgedeckt. Um dem Wickel etwas Halt zu geben, wird ein T-Shirt darüber gezogen. Mit diesem Schmalzwickel geht der Patient schlafen.

Die Wickel können, falls erforderlich, täglich wiederholt werden, jedoch nicht nach den Mahlzeiten. Kalte Wickel sollten nicht bei Kältegefühl des Patienten und dementsprechend auch heiße Wickel nicht bei Fieber (außer Schmalzwickel) aufgelegt werden. Die Zimmertemperatur bei der Wickelanwendung sollte 20 °C betragen, die Fenster müssen geschlossen sein.

Anwendungsbeispiele

Wadenwickel
Grundsätzlich ist die Wickeltechnik bei Wadenwickeln wie im beschrieben. Die Größe der Tücher liegt im Allgemeinen bei circa 35 x 60 cm, wobei auch speziell angefertigte Tücher für Wadenwickel erhältlich sind.
Kalte Wadenwickel werden bei Fieber im Allgemeinen paarweise angewendet und bleiben jeweils 15 bis 30 Minuten liegen. Bei hohem Fieber und empfindlichen Patienten können sie auch nur einseitig, dann aber zwei Mal im Wechsel und nur jeweils circa zehn Minuten aufgelegt werden. Die Anwendungsdauer sollte insgesamt 45 Minuten nicht überschreiten. Das Innentuch wird in nicht zu kaltes Wasser getaucht, nur mäßig ausgewrungen,
um die Waden gelegt und gewickelt. Sinnvoll ist ein dickes Frotteehandtuch, das über die kalten, nassen Wickeltücher gelegt wird.
Mit einem Schuss Essig, etwas Zitronensaft oder einem Esslöffel Salz zum Wasser kann man den Kühleffekt verstärken. Zur Förderung des Einschlafens wird lediglich klares, kaltes Wasser verwendet. Vor, während und nach den Wickeln ist Fieberkontrolle anzuraten. Wadenwickel nicht bei Frösteln oder kalten Füßen anwenden!

Brustwickel
Vor jedem Anlegen eines Brustwickels muss der Patient warm sein und sollte im Bett liegen. Falls es erforderlich scheint, kann man heißen Tee reichen oder ein ansteigendes Fußbad durchführen. Die Größe der Tücher ist der Körpergröße des Patienten so anzupassen, dass sie von der Achsel bis zum Rippenbogen reichen, im Allgemeinen sind das ungefähr 45 x 70 cm.