Pilzerkrankungen – Keine Bagatelle

Pilzinfektionen – medizinisch Mykosen – können die verschiedensten Körperteile betreffen. Meist lassen sie sich gut behandeln, aber manchmal kann es auch gefährlich werden.

Gefährlich und nützlich, köstlich und lästig – Pilze sind ganz besondere Lebewesen. Nicht Tier und nicht Pflanze, bilden sie ein eigenes Reich mit unzähligen Arten vom Einzeller bis zum riesigen Ständerpilz. Im Gegensatz zu Pflanzen können sie keine Photosynthese betreiben, ernähren sich also wie Tiere von organischem Material. Von den Tieren unterscheiden sie sich unter anderem durch die Unbeweglichkeit und den Aufbau der Zellen. Viele Pilze sind nützlich für den Menschen, etwa die Speisepilze oder die fürs Brauen und Backen verwendeten Hefen. Andere sind hochgiftig oder verursachen unangenehme Krankheiten.

Beim Menschen sind von Pilzinfektionen vor allem Haut und Schleimhäute betroffen, aber auch ein Befall innerer Organe ist möglich. Oft gelten die Erkrankungen als peinlich, da sie an intimen Stellen auftreten oder fälschlicherweise mit mangelnder Hygiene in Zusammenhang gebracht werden. Dabei leben Pilze praktisch auf jedem Menschen und richten dabei normalerweise keinen Schaden an. Meist sind Faktoren wie Stress, ein geschwächtes Immunsystem, hormonelle Umstellungen oder auch eine Antibiotikabehandlung die Ursache, dass ihre Vermehrung außer Kontrolle gerät und sich eine Mykose entwickelt.

Pilze lieben es feuchtwarm

Zu den häufigsten Pilzerkrankungen zählt der Fußpilz, von dem in Deutschland Studien zufolge fast jeder Dritte betroffen ist. Fußpilz wird – wie viele andere Hautpilzerkrankungen – meist von Fadenpilzen (Dermatophyten) ausgelöst. Er ist oft zwischen den Zehen zu finden, da die Pilze das dort herrschende feuchtwarme Klima lieben. Typische Symptome sind Juckreiz, Rötungen, Bläschen und Risse, Nässen und Schuppen. Gefährlich ist das nicht, aber sehr lästig. Deshalb ist eine Behandlung mit geeigneten Antimykotika ratsam. Zudem kann ein unbehandelter Fußpilz auf die Nägel übergreifen und dort den hartnäckigen Nagelpilz auslösen. Hier werden spezielle Lacke und Tinkturen angewendet, nicht selten ist aber auch eine Behandlung mit Tabletten erforderlich, die erhebliche Nebenwirkungen haben können.

Für die Entstehung von Fuß- und Nagelpilz ist nach Ergebnissen der Foot-Check-Studie 2000 Veranlagung ein wichtiger Faktor. Zudem begünstigen die Nutzung von öffentlichen Duschen sowie ein ständig feuchtes Klima in den (Turn)Schuhen die Erkrankung. Man sollte die Füße deshalb immer sauber und trocken halten, atmungsaktive Schuhe und Socken tragen und öffentliche Nassbereiche nur mit Badelatschen nutzen.

Neben den Fadenpilzen führen auch Hefepilze, insbesondere der Gattung Candida, zu Mykosen. Dabei sind besonders häufig die Schleimhäute betroffen. So können sie zum Beispiel Mundsoor auslösen, eine Erkrankung der Mundschleimhaut. Sie ist durch entzündete, gerötete Schleimhäute mit weißen, abkratzbaren Belägen gekennzeichnet. Zur Behandlung werden Antipilzmittel in Form von Lösungen, Gel oder Lutschtabletten eingesetzt.

Frauen werden von Candida häufig an noch unangenehmerer Stelle geplagt: im Intimbereich. Hier ist tatsächlich oft nicht zu wenig, sondern zu viel Hygiene ein Auslöser. Denn die normalerweise von Milchsäurebakterien bestimmte Scheidenflora kann durch übertriebenes Waschen und basische Seifen zerstört werden, sodass die Pilze leichtes Spiel haben. Auch die Einnahme von Antibiotika zieht häufig Pilzinfektionen nach sich. Scheidenzäpfchen und Cremes bekämpfen dann die Erreger. Um ständige Neuinfektionen zu vermeiden, kann es auch sinnvoll sein, die Scheidenflora zu unterstützen. Ein bekanntes Hausmittel ist etwa der in Naturjoghurt getauchte Tampon, außerdem gibt es Milchsäurepräparate in der Apotheke.

Angriff von innen

Selten vorkommend, aber umso gefährlicher kann es werden, wenn Pilzerkrankungen innere Organe befallen. So kann zum Beispiel der Schimmelpilz Aspergillus lebensgefährliche Lungenerkrankungen auslösen. Und auch die harmlosen Candida-Pilze können sich bei einer so genannten systemischen Infektion über die Blutbahn im ganzen Körper ausbreiten und eine schwere Sepsis verursachen. Meist sind hier Menschen mit einem schwer geschädigten Immunsystem betroffen – etwa durch AIDS oder Krebs.

Eine weitere innerliche Pilzerkrankung ist wissenschaftlich umstritten: Die Candida-Infektion des Darmes. In der Regel gelten die Hefepilze als harmlose Mitbewohner, die bei circa jedem Zweiten im Darm nachzuweisen sind. Deshalb ist bei gesunden Menschen auch keine Behandlung erforderlich, lediglich bei stark abwehrgeschwächten Personen kann sie sinnvoll sein. Es gibt aber auch Theorien, nach denen das „Candida-Syndrom“ zu Symptomen wie Durchfall, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Depressionen, Migräne und Atembeschwerden führen kann. Als Behandlung werden dann meist Medikamente und eine zuckerreduzierte Anti-Pilz-Diät empfohlen. Wissenschaftlich exakt belegt ist dies aber nicht. Sicher ist wohl: Liegen keine Beschwerden vor, braucht es auch keine Behandlung. Eine Ernährung mit wenig Zucker kann aber trotzdem nicht schaden, da ein Übermaß an Süßem, Weißmehl und Co. ungünstig für die Darmflora ist.