Medikamente zur Therapie von Venenleiden

Ziel der Venenmedikamente ist vor allem eine Verringerung der Gewebswasserbildung („Ödem”) und damit das Verhindern schwerer, müder und geschwollener Beine. In den klinisch leichten bis mäßig schweren Krankheitsstadien der Venenerkrankung können entsprechende Venenmedikamente zu einer spürbaren Besserung führen. Auch bei Langstreckenflügen oder Busreisen kann die begleitende Einnahme von Venenmedikamenten medizinisch sinnvoll sein – auch als vorbeugende Maßnahme gegen eine mögliche Thrombose. Venenmedikamente können Krampfadern nicht zum Verschwinden bringen, aber in richtiger und ausreichender Dosierung die Symptome bessern. Dabei wirken Salbenpräparate eher in den oberen Hautschichten, während die Medikamente zur Einnahme auch die tiefer gelegenen Venenabschnitte mit beeinflussen.

Venenpharmaka: Medikamentöse Therapie bei Venenerkrankungen

Hinter dem Stichwort der „Venenmedikamente“ verbirgt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Präparate und Inhaltsstoffe. Die Anwendungsformen der Venenpräparate reichen von verschiedenen Salben bis zur Einnahme spezieller Wirkstoffkombinationen. Im Folgenden soll ein grober Überblick gegeben werden.

TIPP: Je nach der Zusammensetzung und Anwendung der Präparate sind folgende Wirkungsweisen erwünscht und erzielbar:
• Eine Verringerung der Durchlässigkeit der Venenwand, um der Bildung von Wasseransammlungen im Gewebe entgegenzuwirken.
• Eine Entwässerung des Gewebes durch eine Förderung des Rücktransportes von Ödemflüssigkeit im Gewebe.
• Eine Erhöhung der Spannkraft der Venenwand, um durch eine verbesserte Tonisierung der Venen einen rascheren Blutfluss zu erzielen.

Alle drei der vorher genannten Medikamentengruppen werden in der Regel zur Einnahme empfohlen, um einen ausreichenden therapeutischen Erfolg am Venensystem zu erzielen. Als Ziel der Behandlung soll zum einen die vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Bein vermindert werden, die zum Spannungs- und Schweregefühl im Bein führt und durch die Wasseransammlung im Gewebe die Ernährung der Hautzellen stört. Zugleich sollen di e überdehnten Venen, die Krampfadern, wieder eine erhöhte Spannkraft erhalten, was durch die medikamentöse Verengung der Venendurchmesser zu einem rascheren Abtransport des Blutes führt und zugleich einen abschwellenden Effekt mit sich bringt.

Ein Großteil der Venenpharmazeutika setzt sich aus bekannten Naturstoffen zusammen. Zu den wichtigsten Vertretern zählt das Aescin als Wirkstoff aus den Samen der Rosskastanie. Aescin entfaltet einen starken Schutz vor Gewebewasserbildung sowie einen Schutz auf die Gefäßinnenschicht. Die volle Wirkung einer Behandlungsdosis wird erst nach 16 – 20 Stunden erreicht. Zur Vorbeugung von Ödemen bei geplanten Flug- oder Busreisen sollte deshalb mindestens 4 Tage vor Reiseantritt mit
der Einnahme begonnen werden.

Ein weiteres Präparat der Gruppe der Ödemprotektiva enthält Auszüge aus dem Mäusedorn, der ebenfalls einen Schutz vor Gewebewasseransammlungen erzielen kann und auch eine entzündungshemmende Komponente besitzt. Als weitere Wirkstoffgruppe sind noch die Flavonoide zu nennen, zu denen u. a. die Rutoside zählen.

Naturheilkundliche Mittel

Auch aus dem Bereich der homöopathischen Arzneimittel sollen beispielhaft zwei Kombinationspräparate genannt werden. Sie enthalten u. a. Mariendistel, Rosskastanie und Hamamelis. Zum einen handelt es sich dabei um phöno Ven, das zur Entlastung des venösen Systems eingesetzt wird und auf natürlichem Wege Stauungen und Strömungshindernisse beseitigt sowie Krampfader- und Hämorrhoidalleiden lindert. Zum anderen Poikiven, deren Indikationen zusätzlich auf Thromboseprophylaxe bei Schwangeren und Wöchnerinnen und auf die Behandlung von Thrombophlebitis und Ulcus cruris lauten. Gute Ergebnisse wurden u. a. auch mit Enzymtherapien erzielt. Enzyme verbessern die Fließeigenschaften des Blutes und erleichtern damit den Rückfluss des venösen Blutes. Vorhandene Schwellungen gehen schneller zurück. Der in den Enzymkombinations-Präparaten enthaltene Wirkstoff Rutin dichtet darüber hinaus Gefäßwände ab, so dass weniger wasserbindende Eiweißkörper ins Gewebe austreten können.

Ein weiterer gut wirksamer Stoff um die Venen von innen zu stärken ist Flawen ein Wirkstoff, der im Roten Weinlaub vorkommt. Seine positiven Eigenschaften fördern nicht nur den Blutfluss, sondern lösen den Stau in den Venen und lindern Schmerzen und Schwellungen. Er ist enthalten in Antistax, einer Produktreihe, die es in unterschiedlichen Darreichungsformen gibt.

Die venentonisierenden Pharmaka enthalten überwiegend das aus dem Mutterkorn des Getreides bekannte Dihydroergotamin in therapeutischer Dosierung. Die Muskelspannung der Venenwand wird erhöht.

Aus den oben genannten Wirksubstanzen wurden vielfältige Kombinationspräparate entwickelt, die sowohl aus unterschiedlichen als auch gleichartigen Wirkstoffgruppen stammen, wobei z. T. der Wirkstoff Cumarin beigemischt wird, um den Abbau von Ödemeiweißen im Gewebe zu beschleunigen.

Äußerlich angewendet werden können z. B. Venentherapeutika mit dem Wirkstoff Heparin. Er dringt tief in die Haut ein und hemmt die Entzündung an Ort und Stelle. Durch Heparin wird das Blut lokal verflüssigt, so dass das zurückgestaute venöse Blut besser abtransportiert werden kann. Der Schmerz bei geschwollenen dicken Beinen wird gelindert. Heparinhaltige Gele und Salben (z. B. Thrombareduct, Exhirud Gel) können zur unterstützenden Behandlung oberflächlicher Venenentzündungen eingesetzt werden.

Rat suchen

Die Zahl der derzeit erhältlichen Medikamente und deren Zusammensetzung ist inzwischen so umfangreich und kompliziert geworden, dass der Patient unbedingt den Rat des betreuenden Arztes oder das persönliche Gespräch mit dem Apotheker suchen sollte, um sich die am besten geeigneten Präparate erklären zu lassen und medizinisch optimal versorgt zu sein.