Lüneburg – wo die Sole Ruhe bringt

Über 1.000 Jahre ist die Salzstadt in der Heide alt. Und fast ebenso lang ist Lüneburg schon Soleheilbad. Bereits im Mittelalter gab es hier nämlich nicht nur Siedepfannen, um das „weiße Gold“ zu gewinnen, sondern auch beheizte Badestuben. Dort planschte man in Zubern mit Sole, die von Schmutz befreite und zugleich Leiden linderte.

Foto: Lüneburg Marketing

Wenn die salzige Stadtgeschichte auch weitestgehend Vergangenheit ist, die prächtigen Patrizier- und imposanten Bürgerhäuser zeugen noch immer davon und der Salzstock unter der Altstadt ist noch immer Lüneburgs Wohl und Weh. Das jahrhundertelange Abpumpen der Sole hat nämlich Langzeitfolgen: Manches Gebäude sackt hier wegen unterirdischer Hohlräume so stark ab, dass das zwar fotogen ist – aber mancherorts eben auch einsturzgefährdet.

Denn lange war das „weiße Gold“ ein höchst begehrter und wertvoller Rohstoff, den die Lüneburger wirtschaftlich extensiv zu nutzen wussten. Das kostbare Gut wurde via „Alte Salzstraße“ (heute ein Radfernweg) nach Lübeck und von dort vor allem nach Nordeuropa verschickt. Eine echte Erfolgsstory – bis im 17. Jahrhundert das Salzmonopol fiel. Das einstige „Salzhaus der Hanse“ verlor zunehmend an Einfluss und Einnahmen. Wieder aufwärts ging es, als im Laufe des 19. Jahrhunderts der Sole-Kurbetrieb an Fahrt aufnahm. Heute werden in der Saline, die offiziell 1980 geschlossen wurde, daher weiterhin 6.000 Kubikmeter Sole pro Jahr gefördert. Die landet aber nicht mehr als Körner in Salzstreuern in aller Welt, sondern als Naturheilmittel in der Lüneburger Salztherme.

„Soliges“ Schweben

Momentan sind daher das Wasserviertel rund um Stintmarkt und Alten Kran (wo einst das Salz verschifft wurde), der Hauptplatz Am Sande mit seinen vielfältigen Giebelhäusern (einst ein mit Sand abgestreuter Warenumschlagsplatz, natürlich auch fürs Salz) und das Rathaus, dessen imposanter Komplex rund 800 Jahre Stadtgeschichte wiederspiegelt (und den salzigen Wohlstand früherer Jahrhunderte dokumentiert), grad ganz weit weg. Denn diese heilsame Seite des Salzes hat’s mir angetan.

Gerade schließt sich über mir ein Muscheldeckel und ein leichter Anflug von Platzangst überkommt mich. Doch die gleichzeitig angehenden Lichteffekte lassen mich flink vergessen, dass ich für die nächste halbe Stunde „eingeschlossen“ bin. Außerdem habe ich mir ja den Notfallknopf zum Öffnen zeigen lassen. Ums kurz zu machen: Um mich ist nur noch wohlig warmes Wasser. 26-prozentige Starksole, um genau zu sein. Aus besagtem Lüneburger Salzstock. Und die lässt meinen Körper seine Schwere verlieren. Jetzt noch den Kopf ins Nackenhörnchen gelegt – und dann? Einfach treiben lassen! Darum geht’s jetzt nämlich, um wohltuende Sole und wirksame Ruhe.

Denn das Muschel-Floatarium ist eine Art Ruhetank. Während ich im Halbdunkel schwerelos im Salzwasser vor mich hin schwebe, überkommt mich ein Zustand tiefer Ruhe und Entspannung. Zwar bitzelt das Salzwasser an der ein oder anderen Schramme (hätte ich beim Heidespaziergang doch mal lange Hosen angezogen), aber frau weiß vom Meer ja: Das hilft heilen. Puh, jetzt wird‘s aber echt mollig warm. Ob ich mal kurz die Muschel öffne?

„Salzige“ Wohltaten

Huch, die halbe Stunde ist ja fast rum! Ich hätte schwören können, dass noch keine zehn Minuten vergangen sind. Das nennt man in der Tat tiefenentspannt. Sole und Wärme haben ihre Wirkung gezeigt. Kein Wunder, dass Floaten allen, die mit Stress oder Nervosität kämpfen, empfohlen wird. Wie übrigens auch Menschen mit Hautleiden, Bluthochdruck oder Schmerzen. Habe ich alles nicht, aber etwas Rücken. Und auch dem geht’s besser. Um diese Entspannung noch etwas zu bewahren, setze ich mich draußen im Kurpark noch etwas nachruhend ans Gradierwerk. Da kann ich nämlich die Sole sozusagen inhalieren – auch sehr gesund: Salzluft reinigt nämlich die Atemwege, bringt den Kreislauf in Schwung und stärkt die Abwehrkräfte. Derweil ich überlege, was ich noch erkunden will. Das Deutsche Salzmuseum, weil ich noch einiges übers Salz als Würze, Wirtschaftsfaktor und Wohltat lernen möchte? Ja! Und noch mal Salztherme, weil ich noch nicht in der Salzsauna und dem Solewellenbad war? Klar! Doch heute Abend geht’s erst mal mit dem Nachtwächter on tour, der wird sicher auch „Gesalzenes“ über Lüneburg und die Heide zu berichten wissen …

Tipp

Mehr über die alte Salzstadt und die Heide sowie Packages, Unterkünfte u.a.m. unter www.lueneburg.de. Angebote der Salztherme SaLü gibt’s auf www.salue.info, Salzwissen auf www.salzmuseum.de.

Autor: Texterlei/S. Sahmer