Hopfenwellness in Bad Gögging

Es kommt nicht von ungefähr, dass der Hopfen den Beinamen „grünes Gold“ trägt. Das klingt wertvoll. Und das ist er auch. In der niederbayerischen Hallertau kann man dies ebenso wohltuend wie genussvoll am eigenen Leib erfahren – aus der Maß wie in der Wanne!

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Da lieg ich nun. Um mich herum blubbert angenehm ein Hopfenbad. Auf der Wasseroberfläche schwimmt goldener Blütenstaub. Und ich? Schiebe das Dolden-Säckchen zur Seite, angele nach der bereitgestellten Maß und nehme einen großzügigen Schluck „Hopfentee“. Also Bier. Ich. Der Weintrinker. Dass man aus Reben Wohltuendes gewinnen kann, etwa hautgesundes Traubenkernöl, das wusste ich. Aber im Biersud baden? Mit Hopfenöl massiert werden? Da fehlte mir bislang eine entspannende Erfahrung, sehe ich mal von meinem Schlaf-wohl-Säckchen unterm Kopfkissen ab. Aus dem duftet neben Lavendel, Zitronenmelisse und Baldrian eben auch Hopfen. Also habe ich, der passionierte Weintrinker, mich in das größte Hopfen-Anbaugebiet weltweit aufgemacht.

Auf ins Hopfenland

Denn dort, in der Hallertau (oder Holledau, wie der Volksmund sagt) wird daraus nicht nur nach deutschem Reinheitsgebot anno 1516 allerlei Bier gebraut. Längst hat man sich hier an altes Heilkräuterwissen erinnert. Und nutzt die Arzneipflanze des Jahres 2007 auch jenseits von Sudpfanne, Braubottich und Gärkeller. Deswegen liege ich nun in einem als Hopfenpflückerhütte gestalteten Raum, in dem nur die Jaccuzziwanne erahnen lässt, dass draußen vor der Tür die TerraVitalis, der Wellnessbereich der Bad Gögginger Limes-Therme, liegt. Und nicht die erntereifen Hopfenfelder mit schwer behangenen, endlos langen und ewig hohen Kletterspalieren, die mich von der Autobahnabfahrt bis in den kleinen niederbayerischen Kurort begleitet haben.

Dessen heilsame Geschichte begann übrigens ganz anders. Als ich am Morgen meine Nordic-Walking-Stöcke geschnappt habe, um die Umgebung zu erkunden, hätte ich nämlich auch eine Römer(rund)tour laufen können, bin aber doch der Hopfenstrecke gefolgt. Denn präsent ist beides. Allerdings haben die Soldaten vom nahen Kastell Abusina (und aus dem donauabwärts gelegenen Regensburg) einst nur im Wasser jener Schwefelquellen gebadet, die hier noch immer so zahlreich aus der Erde sprudeln. Und einem aus etlichen Trinkbrunnen „entgegen stinken“. Ihnen verdankt Bad Gögging seinen 1919 erhaltenen Kurort-Status, der inzwischen mit gleich drei ortsgebundenen Naturheilmitteln einhergeht. Das ist einzigartig in Bayern. Denn hier gibt es auch noch ein kleines Naturmoor und das in den 1970er Jahren „erbohrte“ Mineralthermalwasser. Und das blubbert gerade als Basis meines einschläfernden Hopfenbades um mich herum.

Von Braukunst und Bierwissen

Obwohl – meine wohlige Trägheit könnte auch an dem kräftigen Schluck dunklen Weizenbier gelegen haben. Es hatte gar keinen so bitteren Abgang, wie ich Weintrinker ihn sonst mit Bier verbinde. Später werde ich bei einer Führung im nahen Abensberg durch Kuchlbauers Brauereiwelt, die neben ihrer Weizenbiere auch des unübersehbar-sehenswerten Hundertwasserturms wegen berühmt ist, lernen, dass dies am verwendeten Hopfen liegt. Da gibt es nämlich würzige Bitter- sowie mildere Aroma-Hopfenarten. Und warum mein Biersudbad am nächsten Tag so dunkel daherkam, erklärt sich auf dieser Tour dann auch: Der Röstgrad des Malzes macht farblich den Unterschied. In der Maß wie in der Wanne.

Aber es soll ja weniger um Braukunst als um den Hopfen gehen! Und der lässt mich seine entspannende Wirkung jetzt kräftig spüren. Kein Wunder, dass diese Kletterpflanze bereits seit Jahrhunderten bei Nervosität, Angstzuständen und Schlafstörungen beruhigend zum Einsatz kommt. Ich verstehe jedenfalls, warum mir so nachdrücklich das Nachruhen ans Herz gelegt wurde. Kaum liege ich im Ruheraum, bin ich auch schon eingeduselt. Übrigens: Auch der Hopfen braucht seinen Schlaf! Besser gesagt, nächtliche Dunkelheit. Dann gedeiht er tagsüber am besten – und wächst sensationelle sieben Meter hoch in nur 70 Tagen.

Wohltuend für Haut und Seele

Nächster Tag, anderer Ort, gleiches Szenarium. Doch hier im Spa des Hotels Eisvogel blubbert diesmal nichts, und es schwebt auch nicht der goldene Blütenstaub der hellgrünen Hopfendolden auf dem Wasser (getrocknet sind sie von einem Hauch Silbergrau überzogen). Dafür wird vor meinen Augen noch ein Flasche dunkles Bier ins Wasser gegossen – und mir ein Säckchen in die Hände gedrückt, das eben noch in der Wanne schwamm. Wie gestern beim Dolden-gefüllten Säckchen des Hopfenbades lautet auch heute die Anweisung, es etwas zu kneten, das löse noch mehr Wirkstoffe. Was drin sei? Alles, was man fürs Bierbrauen brauche: Hopfen & Malz, Gott erhalt’s! Und auch nach diesen 20 Wannenminuten schlummere ich in der Nachruhe wieder flugs ein.

Ruhezeit, während der die „bierhefigen“ Bestandteile des Badewassers auf meiner Haut nachwirken können. Besser gesagt, die enthaltenen Mineralstoffe und Spurenelemente. Weil der Hopfen zudem antibakteriell und entzündungshemmend wirkt, kamen Bierbäder schon in früheren Zeiten bei unreiner Haut bis hin zu schlecht heilenden Wunden zum Einsatz. Der natürlichen Kohlensäure im Bier wiederum verdankt man eine bessere Hautdurchblutung. Auch bei der anschließenden Hopfenölmassage entspanne ich Weinfan wohlig und hautgesund – trotz oder gerade wegen des dezenten Hopfenaromas, das einen umhüllt.

Von der Dolde und dem Genuss

Aber etwas aktiv war ich schon, nicht nur walkend entlang der Hopfenfelder, auch mal radelnd bis zum kleinen Biergarten an der Fähre in Eining. Um weiter dem „grünen Gold“ zu folgen. Denn da sind ja noch die Braukunst und Gaumenfreuden. Bierschokolade ist vielleicht nicht jedermanns Sache, Hopfenlikör schon eher. Aber ein traditionelles Hopfazupfa-Menü mit ofenfrischem Schweinsbraten und Nudelsuppe vorweg – das mundet wohl jedem. Auch, wenn man seine Zeit hier doch eher hopfenentspannt verbringt.

Denn früher hatte es die Hopfenernte in sich, war quasi Akkordarbeit, vor allem das Doldenzupfen. Weswegen Ende August/Anfang September, wenn der Hopfen reif ist, die Saisonarbeiter von überall her kamen, damit die Ernte rasch getan war. Diese Handarbeit ist weitestgehend Geschichte, dafür packt mancher Tourist mal probehalber an – der Weinfreund fühlt sich an Lesefeste im Wingert erinnert. Und dann schmeckt ein Hopfazupfa-Mahl gleich noch mal so gut. Oder eine Bierprobe. Doch aufgepasst: Hopfen macht nicht nur entspannt-schläfrig (wie in der Wanne), seine Bitterstoffe kurbeln auch die Verdauung an (vor allem aus der Maß).

Darüber habe ich übrigens einiges im Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach gelernt, das all die wohltuend-genussvollen Erfahrungen sachkundig ergänzt. Hat man dort die größte begehbare Hopfendolde der Welt passiert, ist man nämlich schon mittendrin auf einer facettenreichen Zeitreise durch Geschichte, Anbau und Nutzung des Hopfens – von der Maß bis hin zur Wanne!

Tipp

Dre ifach g‘sund
So wirbt www.bad-goegging.de für sich – und meint damit seine römische Geschichte, bayerischen Traditionen und die drei Naturheilmittel. Letztere nutzen nicht nur die Kur- & Wellnesshotels wie das www.hotel-eisvogel.de, dessen Spa sich mit seinem HopfenWell-Konzept dem „grünen Gold“ der Hallertau verschrieben hat, sondern auch die www.limes-therme.de. Wer mehr über die „kurigen“ Wurzeln des Örtchens lernen will, sollte St. Andreas besuchen. Die Kirche steht über einer uralten Therme – und beherbergt nun das Römische Museum für Kur- und Badewesen.

Autor: Texterlei/S. Sahmer