Herz-Kreislauferkrankungen – Frauen sind stärker gefährdet

Foto: Lammeyer – Thinkstock

Trotz aller Therapiebemühungen bleiben Herz-Kreislauferkrankungen weltweit die häufigste Todesursache. Im Vergleich zu Männern ist die Sterblichkeitsrate bei Frauen sogar höher. Dennoch wird in der Bevölkerung das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen bei Frauen immer noch weit unterschätzt. Ein Herzinfarkt ist keine Manager- und Männererkrankung. Alleine in Deutschland sind pro Jahr mit 130.000 Fällen zunehmend auch Frauen betroffen. Daher gilt es als erste Zielsetzung, die herz- und gefäßschädigenden Risikofaktoren aufzuzeigen und weitestgehend  zu vermeiden.

Risikofaktoren

Vielfach handelt es sich um die Folgen der „modernen“ westlichen Lebensführung: Neben unbeeinflussbaren Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht und Familienanamnese existieren auch beeinflussbare Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Rauchen. Zudem wurden weitere Risikofaktoren wie Homocystein identifiziert.

  • Menopause: Während der Östrogengehalt im weiblichen Körper jüngere Frauen weitgehend vor Herz- und Kreislauferkrankungen schützt, steigt das Risiko nach der Menopause deutlich an. Durch die nachlassende Östrogenproduktion, aber die gleich bleibende und damit relativ erhöhte Testosteronkonzentration wird in und nach den Wechseljahren auch bei Frauen vermehrt Fettgewebe am Bauch eingelagert. Dadurch wird auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöht.
  • Bluthochdruck: Vor dem 55. Lebensjahr leiden mehr Männer an erhöhtem Blutdruck, während sich dieses Verhältnis in höherem Lebensalter umkehrt. Ein schlecht eingestellter, zu hoher Blutdruck birgt für Frauen ein doppelt so hohes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen im Vergleich zu Männern.
  • Diabetes: Diabetes ist bei Frauen mit einem zwei- bis dreifach höheren Herzinfarkt-Risiko assoziiert als bei Männern.
  • Homocystein: Homocystein ist ein körpereigenes Stoffwechselprodukt, das beim Abbau von Eiweiß aus sogenannten Aminosäuren entsteht. Das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöht sich durch ein Zuviel an Homocystein deutlich.
  • Tabakkonsum: Frauen, die im Alter von unter 50 Jahren einen Herzinfarkt erleiden, sind zu 80 Prozent Raucherinnen.
  • Übergewicht: Übergewicht gilt unabhängig von Alter und Geschlecht als wichtiger Risikofaktor für Erkrankungen der Herz-Kreislaufsystems und für Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen.
  • Psychosoziale Risikofaktoren: Dazu zählen niedriger sozioökonomischer Status, Mangel an sozialer Unterstützung, soziale Isolation oder Stress am Arbeitsplatz, Doppelbelastung von Beruf und Familie.
  • Stress kann die elektrischen Eigenschaften des Herzens verändern und das Herz für das Auftreten von schwerwiegenden Rhythmusstörungen empfindlicher machen. Diese Mechanismen können erklären, dass durch Ärger und Aufregung das Risiko für das Auftreten eines Herzinfarktes und von Herzrhythmusstörungen erhöht sein kann.

Frauenherzen schlagen anders

Frauen empfinden die Schmerzen anders als Männer. Bei bis zu 40 Prozent der Frauen kündigt sich ein Herzinfarkt oft nicht mit den als klassisch geltenden Symptomen an, wie beklemmende Schmerzen in der linken Brust, sondern atypisch: Ein Herzinfarkt macht sich bei Frauen häufig nur durch Übelkeit bemerkbar, weitere Beschwerden sind Schmerzen zwischen den Schulterblättern, Schweißausbrüche, Kurzatmigkeit, Rückenschmerzen, anhaltende Schlafstörungen und ungewöhnliche Müdigkeit. Nicht selten verzögern diese eher untypischen Symptome bei Frauen die Diagnostik, was letztendlich zu der höheren Herzinfarkt-Sterblichkeit beitragen könnte.

 Therapie

Bei einem Herzinfarkt heißt es, sofort zu handeln. Entscheidend ist, dass der Patienten schnellstmöglich in einer Klinik behandelt wird. Die anschließende Langzeittherapie besteht aus Acetylsalicylsäure zur Hemmung der Blutgerinnung, Betablockern, Cholesterin- und Blutdrucksenkenden Medikamenten.

Tipps aus der Apotheke

Neben einer Änderung des Lebensstils können auch natürliche Mittel, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind, dazu beitragen, das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen zu reduzieren:

Weißdorn
Weißdorn sollte bei jeder Herzerkrankung eingenommen werden. Die Heilpflanze fördert die Durchblutung des Herzens, verbessert Herzrhythmusstörungen und senkt den Blutdruck.

Anthroposophische Medizin
In der anthroposophischen Medizin haben sich zur begleitenden Nachbehandlung des Herzinfarkts Substanzen wie Eselsdistel, Himmelsschlüssel und Bilsenkraut bewährt.

Homöopathie
Hier erweisen sich Wirkstoffe wie die Mistel sowie homöopathische Kombinationsarzneimittel mit Weißdorn, Campher, Cactus und Maiglöckchen als besonders effektiv.

Mikronährstoffe
Ein Zuviel an Homocystein entsteht durch einen Mangel an Folsäure und den Vitaminen B6 und B12  und kann entsprechend durch die Einnahme dieser Vitamine behandelt werden. Auch Omega-3-Fettsäuren wirken sich positiv auf die Herzgesundheit aus, indem sie die Cholesterin- und Blutfettwerte reduzieren. Nicht zuletzt eignen sich Mikronährstoffe wie Magnesium, Kalium und Coenzym Q10 zur Unterstützung der Herzfunktion.

Bitte beachten: Die Verringerung von Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen ist ein wichtiges Ziel. Neben Medikamenten sind Lebensstilinterventionen wesentlich. Werden Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Übergewicht konsequent behandelt und gesenkt, treten Komplikationen wie Herz- oder Hirninfarkt deutlich seltener auf und viele Folgeerkrankungen lassen sich vermeiden. Bloße Reparaturmedizin stößt irgendwann an ihre Grenzen, daher ist Eigeninitiative gefragt – je früher, desto besser. Mit gezielten Präventionsmaßnahmen wie regelmäßiger Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und der Zufuhr geeigneter und hochwertiger Mikronährstoffe kann jeder seine Gesundheit aktiv beeinflussen.

Buchtipp:

Dr. med. Lutz Koch
Bluthochdruck bei Frauen – ein unterschätztes Risiko
84 Seiten mit farbigen Abbildungen
Format 155 x 220 mm, Paperback
Preis € 14,90
ISBN 9783944697017, PACs Verlag