Formen von Venenerkrankungen

Die Krankheitsbilder und ihre Ursachen

Der Begriff der chronischen Veneninsuffizienz beschreibt ein Versagen der Entsorgungsfunktion des Venensystems. Das Blut wird nicht mehr bedarfsgerecht zurücktransportiert. In der Folge entwickelt sich eine chronisch venöse Stauung. Schmerzen, Spannungs-und Schweregefühl stellen sich ein. Das Bein wird dick, unangenehmes Wärme- oder auch Kältegefühl stören. Mancher Betroffene kann langes Sitzen, z. B. bei Autofahrten, nicht mehr ertragen. Es besteht dann ein quälender Drang zum Bewegen der Beine.

Die chronisch venöse Stauung, die Blutbestandteile (Eiweiße) werden in das Gewebe abgepresst, und bleiben dort bei eingeschränkter Entsorgung liegen, löst chronische Entzündungsprozesse aus: die Haut wird hart (Fibrosierung) und sie färbt sich bräunlich an. Es bleiben Abbauprodukte von roten Blutzellen (Hämosiderin) im Gewebe liegen und es wird vermehrt Pigment (Farbstoffpartikel) in der Haut gebildet. Die feinsten Blutgefäße der Haut, die Kapillaren, die das arterielle Blut in der Haut verteilen, nehmen Schaden. Die bereits durch den fehlenden Abtransport venösen Blutes beeinträchtigte Hautversorgung verschlechtert sich dadurch weiter. Sobald die Ver- und Entsorgung den Ruhestoffwechsel der Zellen nicht mehr sicherstellen kann, gehen die Zellen zugrunde: es entsteht spontan eine meist noch sehr verzögert abheilende Wunde, meist im Innen oder Außenknöchelbereich am Unterschenkel.

Ursachen des Venenklappenuntergangs

Die Ursachen der anlagebedingten, so genannten „primären Varikose“, also des umgangssprachlich „einfachen Krampfaderleidens“, sind noch nicht recht verstanden worden. Es gibt Hinweise auf eine gestörte Zusammensetzung der Venenwand (Kollagenvernetzung). Eine vorübergehende Behinderung des venösen Abstroms bei gleichzeitig hormonell bedingter Lockerung des Bindegewebes macht die Schwangerschaft zu einer besonders kritischen Phase, in der die Krampfaderbildung ausgelöst oder verstärkt wird. Immer wieder stark erhöhte Drucke in Beinvenen durch Pressatmung (Gewichtheben, das Tragen schwerer Lasten), werden auch als Ursache für die Entstehung von Krampfadern betrachtet. Die Erweiterung der Hautvenen betrifft auch die venösen Abschnitte, die Klappen tragen. Die Segel der Klappen weichen auseinander und allmählich wird die Klappe undicht und lässt das venöse Blut wieder Richtung Fuß zurück fließen. Die Funktion der Venenklappe als Ventil ist dann gestört, die Klappe wird insuffizient (geschwächt). Die katastrophalen Auswirkungen der Thrombose für die betroffenen Venenabschnitte sind ebenfalls bekannt. Zunächst verlegen die Blutgerinnsel die tiefen Leitvenen und blockieren den Rückfluss zum Herzen je nach Ausdehnung und Befallmuster. Während der ersten Tage und Wochen nach der Thromboseentstehung werden die Blutgerinnsel meist unvollständig vom Körper selbst aufgelöst, die verbleibenden Blutgerinnsel behindern aber den venösen Abstrom zum Herzen langfristig.

Der Umbau der Blutgerinnsel führt später zu einer teilweisen oder vollständigen Zerstörung der Venenklappen selbst. Der erhöhte Abstromwiderstand durch verbliebene Gerinnselteile in den Leitvenen und die Funktionsstörung der insuffizienten oder schließunfähigen Klappen charakterisieren die venöse Durchblutungssituation der Beine nach einer Thrombose. Die sich ausbildenden Veränderungen am Venensystem und an der Haut werden als „postthrombotisches Syndrom“ bezeichnet, was sprachlich den Folgezustand der abgelaufenen Thrombose beschreiben soll.

TIPP: Zwei Formen der Venenerkrankung werden unterschieden:
die primäre Varikosis, also das sichtbare Krampfaderleiden ohne erkennbare Ursache, oder das gestörte Venensystem in Folge einer abgelaufenen Venenthrombose als so genanntes „postthrombotisches Syndrom“.

Der Begriff des Krampfaderleidens leitet sich vom Begriff „Krumm-Ader“ ab und hat keinen inhaltlichen Bezug zum Krampfzustand oder Wadenkrampf, wie oft fälschlich vermutet wird. Venenerkrankungen gehen einher mit einer verminderten Förderleistung des venösen Blutes und verursachen zahlreiche Beschwerden und Folgeerscheinungen von Schmerzen und Spannungsgefühl bis hin zum „offenen Bein“. Der umgangssprachliche Begriff der „Venenschwäche“ wird dem Krankheitsbild damit nicht gerecht.

Akute Erkrankungen des oberflächlichen Venensystems – die oberflächliche Venenentzündung (Thrombophlebitis)

Die oberflächlichen Venen können sich entzünden, wobei der Entzündungsprozess von der Innenwand zu den äußeren Wandschichten fortschreitet. Als Zeichen des Entzündungsprozesses sind oft eine deutliche Rötung und eine besondere Schmerzhaftigkeit im Entzündungsareal anzutreffen. Als häufige Auslöser gelten Injektionen oder Infusionen (Infusionsphlebitis). In jüngster Zeit wurde auch über Venenentzündungen an den Beinen durch den hohen mechanischen Reiz von Unterwasserdüsen in Schwimmbadeinrichtungen berichtet, die durch die hohe Druckbelastung
zu Reizungen und entzündlichen Veränderungen der oberflächlichen Venen
führen können. Venenkranke sollten deshalb Wasseranwendungen und Kneipp´sche Güsse in der empfohlenen Weise durchführen und die Hochdruckdüsen meiden.

Akute Erkrankungen des tiefen Venensystems – Die tiefe Beinvenenthrombose

Unter einer Thrombose wird die Entstehung eines Blutgerinnsels verstanden. Kommt es in einer tiefen Vene zu einer solchen Blutgerinnselbildung, wird von einer tiefen Beinvenenthrombose gesprochen.

TIPP: Drei wesentliche Faktoren sind für das Entstehen einer Thrombose bekannt:
1. ein Gefäßwandschaden
2. eine erhöhte Gerinnungsneigung
3. eine Störung der Fließeigenschaften des Blutes

Obgleich sich Thrombosen in allen Körpervenen entwickeln können, sind doch zu neunzig Prozent die tiefen Beinvenen davon betroffen. In der Entstehungsphase einer tiefen Venenthrombose ist das Blutgerinnsel nur locker mit der Venenwand verklebt. Kommt es zu einem Abschwemmen des Blutpfropfs, spricht man von einem Embolus, was übersetzt „wandernder
Blutpfropf“ heißt. Von dem tiefen Beinvenensystem wird der Blutpfropf mit dem strömenden Blut Richtung Herz gespült. Von dem rechten Vorhof gelangt er weiter in die Lunge. Hier kann er die gefürchtete Lungenembolie verursachen, die im schlimmsten Falle tödlich verläuft.

Bleibt das Blutgerinnsel im Gefäß liegen, so verwächst es innerhalb von Tagen und Wochen mit der Venenwand. Die Vene wird verstopft und der Blutstrom unterbrochen. An dem tiefen Venensystem können dadurch irreparable Schäden entstehen. Da ca. neunzig Prozent des venösen Blutes über das tiefe Leitvenensystem abfließen, ist eine Gefäßschädigung oder ein Untergang der Venenklappen in diesem Bereich deshalb so folgenschwer, da sie zu einem chronischen Krankheitsprozess führen können, dem so genannten postthrombotischen Syndrom mit schweren Störungen des gesamten venösen Gefäßsystems unter Beteiligung anderer Organstrukturen am Bein, vorzugsweise der Haut.

Besonders gefährdet, eine tiefe Beinvenenthrombose zu entwickeln, sind bettlägerige Patienten nach Operationen, Unfällen, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Frauen sind besonders nach der Entbindung im Wochenbett einem deutlich erhöhten Risiko ausgesetzt. Die mangelnde Bewegung der Beinmuskulatur führt durch die Lahmlegung der Wadenmuskelgelenkpumpe zu einer verhängnisvollen Strömungsverlangsamung des Blutes in den venösen Gefäßen am Bein, wodurch eine mögliche Gerinnselbildung begünstigt wird. Medizinische Eingriffe, die eine längere Ruhigstellung des Beines erfordern, wie z. B. ein
Liegegips, stellen besondere Risikosituationen für eine Thromboseentstehung dar, der wirksam vorgebeugt werden muss. Da eine tiefe Beinvenenthrombose auch mit relativ uncharakteristischen Beschwerden einhergehen kann, ist sie nicht immer rechtzeitig zu erkennen. Alarmsignale sind ein meist ziehender Schmerz im Bein, eine zunehmende Rötung oder Verfärbung der Haut, eine Umfangszunahme des betroffenen Beins im Vergleich zum gesunden Gegenbein oder lokalisierte Schmerzen in der Wade oder am Fuß, die nicht durch Überanstrengung oder den bekannten „Muskelkater“ hervorgerufen worden sind.

Vorbeugung einer Beinvenenthrombose

Zum Schutz vor einer tiefen Beinvenenthrombose werden heute eine Reihe von Vorbeugemaßnahmen ergriffen, die die drei Risikofaktoren der Thromboseentstehung günstig zu beeinflussen versuchen. Wichtig ist vor allem ein ausreichend rascher Blutfluss im venösen Gefäßsystem.

Durch eine frühzeitige krankengymnastische Mobilisationstherapie nach operativen Eingriffen kann der Thromboseentstehung gut entgegen gewirkt werden. Deshalb wird heute zum frühest möglichen Zeitpunkt nach einer Operation damit begonnen, durch gezielte krankengymnastische Übungen die venösen Transportmechanismen an den Beinen zu aktivieren.

Begleitend zu der Bewegungstherapie werden bei gefährdeten Patienten Antithrombosestrümpfe oder Kompressionsverbände eingesetzt, um den Gefäßdurchmesser der Venen zu vermindern und damit den Blutdurchfluss zu beschleunigen. Den gefürchteten Blutstauungen und Gerinnselbildungen wird dadurch begegnet. Durch die Gabe geeigneter Medikamente können auch die Gerinnungseigenschaften des Blutes so verändert werden, dass die Gefahr einer Thromboseentstehung gesenkt wird. Zu den bekanntesten Wirkstoffen zählen die Heparine, die gespritzt werden, sowie Wirkstoffgruppen, zu denen das bekannte Aspirin bzw. Marcumar zählen, welche die Blutgerinnungseigenschaften nachhaltig verändern können. Weil die vorher genannten Präparate eine Reihe von Nebenwirkungen in sich bergen und sich wechselseitig bedenklich in ihren Wirkungsweisen verändern und verstärken können, dürfen sie nur nach genauer ärztlicher Anweisung eingesetzt werden. Patienten mit überstandener Thrombose oder bekannten Venenwandschäden sollten die Thrombosevorbeugung besonders gewissenhaft betreiben, weil eine vorgeschädigte Venenwand in weit höherem Maße zur Neubildung eines Gerinnsels neigt als eine gesunde Innenfläche. Die Bewegungstherapie mit gezielten Venensportübungen kann in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen.