Die gesundheitlichen Wirkungen des Sonnenlichts

Ohne die Strahlen der Sonne wäre auf unserem Planeten kein Leben möglich. Ihre energiereichen Strahlen schenken Wärme und Licht, lassen Pflanzen wachsen und Nahrung entstehen. Aber auch wir Menschen brauchen das Sonnenlicht. Wenn auch zu Recht vor den Gefahren der UV-Strahlen gewarnt wird – Sonnenlicht in Maßen hat vielerlei positive Wirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden.

Es sind wieder lichtvolle Zeiten. Die Sonne steht hoch am Himmel und beschreibt nun ihren weitesten Bogen von ihrem Aufgang bis zu ihrem Untergang. Das helle, warme Licht lässt die Natur aufleuchten und schenkt ihr diese Buntheit, die wir am Sommer so sehr lieben. Wie düster wirken dazu im Vergleich die trüben Wintermonate! Nur wenige würden behaupten, dass ihnen das blasse, meist hinter Nebelschleiern verborgene Licht des Winters besser gefällt als die Klarheit des Sommers. Viele Menschen leiden in der lichtarmen Jahreszeit sogar unter einer niedergedrückten, depressiven Stimmung. So wie die Pflanzen mit dem Beginn des Frühlings zu keimen und zu blühen beginnen, so regt sich auch in der Tierwelt ein verstärkter Aktivitätsdrang. Der Nachwuchs wird geboren und aufgezogen. Und selbst der Mensch, der sich von den Kreisläufen der Natur scheinbar emanzipiert hat, spürt den Wandel der Jahreszeiten und des Sonnenlichts am eigenen Körper.

Die Sonne – das entzauberte Gestirn

Dass die Lebewesen der Erde das Sonnenlicht brauchen, war schon den Menschen der Frühzeit bewusst. Die regelmäßige tägliche und jährliche Wiederkehr der Sonne wurde teils ängstlich erwartet und mittels kultischer oder magischer Rituale beschworen. Viele Kulturen verehrten die Sonne als Gottheit: Bei den Sumerern wurde die Sonne durch den Sonnengott Utu verkörpert, bei den Babyloniern hieß er Schamasch, bei den Ägyptern Ra. Die Griechen stellten sich vor, dass Helios den Sonnenwagen, gezogen von vier Hengsten, über den Himmel lenkt. Ganz ähnlich dachten die Germanen – bei ihnen war es die Göttin Sol, die mit dem Sonnenwagen über den Himmel fährt. Doch sie musste sich beeilen, da das Gespann ständig von dem Wolf Skalli verfolgt wird. Am Tag des Weltuntergangs würde Skalli die Sonne einholen und verschlingen. Im dänischen Trundholm entdeckte ein Bauer beim Pflügen eine eindrucksvolle Darstellung dieses Sonnenwagens: Dabei zieht ein stilisiertes Pferd auf Rädern eine goldene Scheibe hinter sich her.

Heute wissen wir wissenschaftlich aufgeklärten Menschen, dass die Sonne keine Scheibe ist, sondern der zentrale Stern unseres Sonnensystems. Keine göttliche Magie sorgt für Licht und Wärme, sondern Kernfusionen in der Sonne schicken eine elektromagnetische Strahlung ins All, die in Form von Photonen auf die Erde trifft. Die Erde erreicht nur ein kleiner Teil dieser Energie, große Anteile werden durch die Erdatmosphäre reflektiert oder geschluckt. Dass wir von Sonnenteilchen „bombardiert“ werden, merken wir, weil unsere Sinnesorgane dafür geschaffen sind, sie als Licht und Wärme wahrzunehmen. Das wahrnehmbare Licht macht allerdings nur rund die Hälfte der elektromagnetischen Wellen aus, die übrigen Anteile bestehen aus langwelliger, infraroter, ultravioletter oder kurzwelliger Strahlung. Auch die für uns unsichtbaren Bereiche haben sehr wohl eine Wirkung auf den Körper, wie der durch die ultravioletten Strahlen ausgelöste Sonnenbrand beweist.

Was die Sonne mit uns macht

Die Strahlung der Sonne schafft Leben. So haben Cyanobakterien im Meer mithilfe des Sonnenlichts erstmals Photosynthese betrieben und als Abfallprodukt Sauerstoff produziert. Unsere Atmosphäre existiert nur dank dieser frühen Lebewesen. Im Übermaß gefährdet die Strahlung aber auch das Leben, indem sie im Gewebe von Pflanzen und Tieren Verbrennungen verursacht. Lebewesen haben daher Schutzsysteme gegen die Strahlung entwickelt. Beim Menschen verdickt sich bei starker Sonneneinstrahlung die oberste Hautschicht, die Hornhaut. Es kommt zu einer so genannten „Lichtschwiele“. Außerdem wird der Mensch durch Pigmente in der Oberhaut bis zu einem gewissen Grad vor der Strahlung geschützt. Im Sommer wird vermehrt das Farbpigment Melanin gebildet, das die Haut bräunt und die UV-Strahlung filtert. Diese Schutzmechanismen können dennoch nicht verhindern, dass ein zu ausgiebiges Sonnenbad die Haut verbrennt und Zellschädigungen verursacht, die zu Hautkrebs führen können. Den Rat von Hautärzten, sich mithilfe einer Sonnenlotion mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor zu schützen, sollte man nicht ignorieren. Eine gesunde Portion Sonne hat aber auch positive Eigenschaften.

So wird mitmilfe des Sonnenlichts über die Haut das lebensnotwendige Vitamin D produziert. Durch eine fotochemische Reaktion wird die vom Körper gebildete Vorstufe, 7-Dehydrocholesterol, in Vitamin D3 umgewandelt. Vitamin D fördert die Aufnahme von Calcium aus dem Darm und den Einbau des Mineralstoffs in die Knochen. Es hat Einfluss auf die Muskelkraft und ist an vielen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt. Man schreibt dem Vitamin zudem eine Stärkung des Immunsystems und eine Schutzwirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zu.

Dass im Sommer weniger Menschen an Herzinfarkt oder Schlaganfall sterben als im Winter, ist indirekt dem Einfluss des „Sonnenvitamins“ zu verdanken. Denn das über die UV-Strahlung gebildete Vitamin macht die Blutgefäße elastischer und beeinflusst ein Enzym, das die Bildung des Signalstoffs Stickstoffmonoxid (NO) fördert. Der bringt die Blutgefäße dazu, sich zu entspannen und senkt so den Blutdruck. Damit in der Haut genügend Vitamin D gebildet werden kann, sollte man sich drei bis viermal in der Woche bis zu 15 Minuten dem direkten Sonnenlicht aussetzen. Es genügt, Hände, Gesicht und Teile von Armen und Beinen bestrahlen zu lassen – und zwar ohne vorheriges Eincremen, denn der UV-Schutz der Sonnenlotion verhindert die Vitamin-D-Bildung.

Das Sonnenlicht nimmt aber auch Einfluss auf unser Zeitempfinden und unsere Stimmungslage. Fällt Tageslicht ins Auge, wird im Nucleus suprachiasmaticus, einem Kerngebiet im Gehirn, die „innere Uhr“ immer wieder richtiggestellt. Die Bio-Rhythmen des Menschen, wie beispielsweise das Wachwerden oder die einsetzende Müdigkeit, richten sich danach. Und auch, dass Sonnenschein fröhlich stimmt, ist eine wissenschaftliche Tatsache. Fällt nämlich im Frühling und Sommer mehr Tageslicht ins Auge, wird die Zirbeldrüse im Gehirn angeregt, die Produktion des „Schlafhormons“ Melatonin zu drosseln. Man wird folglich munterer. Weniger Melatonin bedeutet aber zugleich, dass mehr von seinem Ausgangsstoff, dem Hormon Serotonin, vorhanden ist. Serotonin hebt die Laune, macht unternehmungslustig und beeinflusst sogar das Sexualverhalten. Kein Wunder also, dass im Sommer das Flirten leichter fällt.

Nutzen Sie daher die Sommersonne, solange sie scheint. Allzu bald kommt der Herbst. Nur vor einem Sonnenbrand sollte man sich hüten, denn Verbrennungen vergisst die Haut nicht.