Der Angst auf der Spur

Angstreaktionen haben zunächst einmal auch ihr Gutes: In bedrohlichen Situationen helfen sie uns, Risiken zu vermeiden und vor Gefahren zu fliehen. Dieses Gefühl die Angst erlernen wir, indem wir eine gedankliche Verbindung schaffen zwischen einem Reiz und einem zeitnah auftretenden Stressfaktor wie etwa physischer Bedrohung. Die Verknüpfung hinterlässt eine tiefe Spur in der Erinnerung, die noch Jahre später bestehen bleibt. Sie verursacht tiefgreifende strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn bis hin zu bleibenden Angststörungen.

Neuroforscher der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität um Professor Anton Sirota und Nikolaos Karalis haben nun zusammen mit Kollegen aus Bordeaux einen Signalmechanismus in Form einer koordinierten Oszillation im Gehirn entdeckt, eines rhythmischen Feuerns der Neurone in bestimmten Netzwerken, das offenbar das Furchtverhalten steuert. Dieses Schwingungssignal mit einer Frequenz von vier Hertz, das die Forscher poetisch mit einer „selbst erzeugten Symphonie des Gehirns“ beschreiben, verbindet und koppelt weit entfernte Gehirnareale, die für die Angstreaktionen verantwortlich sind.