Behandlungsmethoden bei Venenerkrankungen

Die jeweilige Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung, den krankheitsbedingten Veränderungen und dem Leidensdruck der betroffenen Patienten. Auch das Alter und die Begleiterkrankungen spielen eine entscheidende Rolle, ob z. B. eine Operation angeraten wird oder andere Verfahren eingesetzt werden sollen.

Kompressionstherapie bei Venenleiden

Aus antiken Funden geht hervor, dass bereits seit vielen Jahrtausenden das Wickeln der Beine, bei venösen Erkrankungen mit Schwellungen und Hautveränderungen der Beine, angewendet wurde. Auf Felszeichnungen in der Sahara mit einem geschätzten Alter von über 4000 Jahren fanden sich Darstellungen von Tänzern mit „ödematös“ geschwollenen Beinen und angelegten Bandagen als erste Überlieferungen der Kompressionstherapie auf einfachstem Niveau.

Unter medizinischer Kompressionstherapie ist dabei eine Behandlungsform zu verstehen, anstelle des bis dahin verbreiteten Wickelverbandes einen Druckverband zur Entstauung der Beine einzusetzen.

Bis heute gehört die Kompressionstherapie zu den wirksamsten Methoden in der Behandlung von Venenerkrankungen, weil sie dem venösen Blutstau entgegen wirkt und die Transportmechanismen am Bein verbessert. Das
verwendete Material und die Anlegetechnik spielen eine entscheidende Rolle, den therapeutisch erwünschten Druck zu erzeugen.

Da sich bei krankheitsbedingten Venenwandveränderungen oder Klappenfunktionsstörungen die Venenklappen zum Innern der Vene nur noch mangelhaft schließen, kommt es durch den venösen Blutstau zu einer krankhaften Dehnung der Venenabschnitte, die wiederum weiter an Funktionstüchtigkeit verlieren.

Der Blutstau in den Venen und die Dehnung der Gefäße lässt vermehrt Flüssigkeit durch die Venenwände austreten, was zur Schwellung des umliegenden Gewebes führt. Das Bein wird „dick“ und schwillt schmerzhaft an. Es kommt zu stauungsbedingten Gewebeschäden sowie zum Zelluntergang. Sichtbares Zeichen der gestörten Zellversorgung ist die Geschwürbildung am Unterschenkel mit der Bildung „offener Beine“.

Wirkungsweise der Kompressionstherapie

Die Kompressionstherapie mit Verbänden oder Strümpfen übt einen Druck auf das Gewebe von außen aus, so dass dem inneren Druck von Venen und Gewebe ein äußeres Widerlager geboten wird. Bei Bewegung wird durch den Druck der Muskulatur gegen den Widerstand des Kompressionsverbandes mehr Blut aus den Venen Richtung Herz gepumpt. Der Querschnitt der Venen nimmt unter dem äußeren Druck ab, es kann somit weniger Blut in den Beinen „versacken“ und das verbleibende Blut fließt schneller ab. Außerdem verbessert sich die Funktion der Venenklappen durch die Abnahme des vergrößerten Venendurchmessers und eine bessere Schließfunktion der Klappen. Das Bein wird entstaut und schlanker, der Neubildung von Gewebewasseransammlungen wird effizient entgegen gewirkt.

TIPP: Zwei klassische Formen der Kompressionstherapie stehen heute zur Verfügung: der Verband oder der Strumpf.

Der Kompressionsverband sollte möglichst beim akut geschwollenen Bein, vor und nach Operationen sowie bei Patienten mit einem offenen Bein eingesetzt werden. Die Anpassung eines Kompressionsstrumpfes sollte erst dann erfolgen, wenn das Bein ausreichend entstaut ist. Außerdem sollte ein Strumpf möglichst morgens angemessen werden, da das Bein im Tagesverlauf an Umfang zunimmt und sich dadurch unerwünschte Messfehler einschleichen können.

Kompressionsverbandstechnik

Beim Anlegen eines Kompressionsverbandes sind einige wichtige Grundprinzipien zu beachten:
Der Kompressionsdruck muss vom Fuß aus herzwärts abnehmen, damit das Blut nicht gestaut wird, sondern unbehindert abfließen kann. Der maximale Kompressionsdruck am Bein liegt dabei in der Regel in der Fesselregion und nimmt zum Herzen hin ab. Um ein möglichst gleichmäßiges Druckprofil zu erzeugen, werden bevorzugt in der Knöchelregion passgerechte Schaumstoffstücke in den Vertiefungen (Kulissen) platziert, um den therapeutisch erwünschten Anpressdruck möglichst gleichmäßig zu verteilen.

Der Verband wird immer am Fuß begonnen und dann herzwärts gewickelt. Bei Venenpatienten mit einem „offenen Bein“ bedarf es zusätzlich einer stadiengerechten Wundversorgung mit speziellen medizinischen Wundauflagen. Die neue Generation dieser hydroaktiven Wundauflagen (z. B. Versiva) reinigt die Wunde und vereint die schnelle Absorption mit einer kontrollierten Verdunstung zur Aufrechterhaltung eines feuchten Wundheilungsmillieus. Über die Wundauflage wird dann erst der Kompressionsverband geführt.

Beim Wickeln ist darauf zu achten, dass nach Anlegen des Verbandes alle Hautstellen vom Beginn bis zum Ende des Verbandes gleichmäßig gewickelt sind und keine Hautstellen frei liegen, weil es dort zu einer Gewebewasseransammlung kommen könnte. Der Druck des Verbandes muss dabei gleichzeitig wie ein Trichter von der Fessel nach oben hin abnehmen, damit das venöse Blut abfließen kann und sich nicht unterhalb des Verbandes aufstaut. Für einen solchen Wechselverband empfehlen sich die so genannten Kurzzugbinden. Sie haben einen niedrigen Ruhedruck und einen hohen Arbeitsdruck. Dies bedeutet, dass sie ihre volle Wirkung erst dann entfalten, wenn man sich aktiv bewegt. In Ruhe dagegen üben sie nur einen geringen Druck auf die Haut aus, was wichtig ist, um das Gewebe nicht zu sehr einzuschnüren und die Blutversorgung der Haut zu stören.

Kompressionsstrümpfe

Kompressionsstrümpfe werden als medizinische Hilfsmittel vom Arzt verordnet. Bei der Erstverschreibung darf der Arzt zwei Paar Kompressionsstrümpfe (Rezeptangabe: „aus hygienischen Gründen“) für den Zeitraum eines Jahres rezeptieren, danach maximal 1 Paar je Halbjahr. Aktuell gilt für Kompressionsstrümpfe die allgemeine Zuzahlungsregelung von 10 % vom Verkaufspreis, mit mindestens 5,– € und maximal 10,– €. Für den Kunden ist es wichtig zu wissen, dass jeder Strumpf einzeln berechnet wird, d. h. er zahlt mindestens 10,– €.

Von den medizinisch rezeptierbaren Kompressionsstrümpfen müssen die Stützstrümpfe unterschieden werden. Stützstrümpfe werden hauptsächlich über Apotheken vertrieben und können vom Patienten selbst erworben werden. Die Angebote richten sich vornehmlich an Patienten mit noch geringen Beschwerden und niedrigem Schweregrad der Erkrankung und fallen zumeist kosmetisch attraktiver aus als die Kompressionsstrümpfe.

Stütz- wie Kompressionsstrümpfe dienen gleichermaßen dem Ziel, das Bein zu entstauen und den venösen Blutfluss zu verbessern. Je nach Art und Schwere des Krankheitsbildes können Unterschenkel oder Oberschenkelkompressionsstrümpfe, Strumpfhosen oder speziell für die Schwangerschaft entwickelte Kompressionsstrumpfhosen eingesetzt werden. Der Patient sollte hierzu das Gespräch mit einem Fachmann (Apotheker) suchen.