Angst ist ein wichtiges Gefühl

Angst ist zunächst ein normales und wichtiges Gefühl. Wie Freude und Ärger gehört die Angst zum gesunden Reaktionsrepertoire des Menschen. Angstgefühle sind ein Schutzmechanismus und haben die Aufgabe, auf Gefahren und Bedrohungen aufmerksam zu machen.

Angststörungen sind demgegenüber wiederkehrende oder anhaltende Zustände, bei denen starke Ängste unangemessen auftreten. Daraus resultieren ein stetig dünner werdendes Nervenkostüm, eine allgemein erhöhte Reizbarkeit und emotionale Kontrollverluste. Angststörungen zählen mittlerweile zu den am weitesten verbreiteten psychischen Erkrankungen. Schätzungen zufolge leiden etwa 15 bis 25 Prozent aller Menschen mindestens einmal in ihrem Leben unter einer Phase ängstlicher Unruhe – Frauen doppelt so häufig wie Männer.
Früherkennung sowie eine Einstellungs- und Verhaltensänderung sind die wichtigsten Maßnahmen, um sich gegen Ängste zu wappnen und um die blank liegenden Nerven zu beruhigen.

Angst hat viele Gesichter

  • Panikstörungen und Panikattacken: Diese äußern sich durch plötzliche, unerwartet wiederkehrende schwere Angstattacken, die mit starken Körperreaktionen wie Herzklopfen, Erstickungsgefühlen, Schweißausbruch und Schwindel einhergehen.
  • Phobien: Angst vor bestimmten Geschehnissen, Situationen (Höhen-, Flugangst, enge Räume, Krankheiten), vor abwertenden und prüfenden Beurteilungen durch andere Menschen oder der Öffentlichkeit (soziale Phobie) oder vor Tieren. Allein die Vorstellung erzeugt in der Regel schon heftige Angstreaktionen. Die Vermeidung der gefürchteten Situationen führt bei den Betroffenen oft zu einem sozialen Rückzug.
  • Generalisierte Angststörung: Charakteristisch sind unrealistische Ängste, die sich nicht auf Objekte oder bestimmte Situationen beziehen. Die Sorgen sind anhaltend vorhanden und lassen sich nicht kontrollieren oder unterdrücken. Dazu bestehen erhöhte Aufmerksamkeit, motorische Spannung und körperliche oder vegetative Beschwerden.
  • Angststörungen in Verbindung mit anderen psychischen Beschwerden: Angststörungen sind auch eine häufige Begleiterscheinung bei Depressionen, Suchterkrankungen, Zwängen und weiteren psychischen Beschwerden.

Ursachen

Die Ursache von Angststörungen kann nur in seltenen Fällen auf ein einziges Ereignis zurückgeführt werden. In den meisten Fällen entwickeln sich Ängste über einen langen Zeitraum durch ein unglückliches Zusammenwirken vieler Einflüsse:

  • traumatische Lebensereignisse
  • anhaltender Stress und Belastungen im Beruf und Alltag
  • eine übertriebene und ängstliche Selbstbeobachtung von Körperfunktionen und Empfindungen
  • übermäßiger Genussmittelkonsum
  • Umweltfaktoren wie Lärmbelastung, Strahlung
  • Wohnort- oder Berufswechsel
  • Organische Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und Erkrankungen/Verletzungen des Gehirns

Symptome

Menschen mit Angststörungen empfinden selber oft gar nicht die Angst als das hervorstechende Symptom. Stattdessen werden häufig körperliche Symptome, wie etwa Schwindel, Herzrasen, Zittern oder verminderte Belastbarkeit genannt. Weitere Symptome sind Schweißausbruch, Mundtrockenheit, Hitzewallungen, Sprachschwierigkeiten, Atembeschwerden, Beklemmungsgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall sowie Bewusstseinsstörungen. Die Lebensqualität und die Lebensführung können durch diese häufigen, langandauernden und unrealistischen Ängste sehr stark beeinträchtigt werden. Auch für das soziale Umfeld können erhebliche Belastungen entstehen.

Je früher eine Behandlung erfolgt, desto besser ist die Prognose
Je nach Schweregrad und Art der Angststörung kommen verschiedene Methoden in Frage. Dazu zählen:

  • Entspannungstechniken (autogenes Training, progressive Muskelrelaxation)
  • Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse: Im Rahmen der Psychotherapie kann der Mechanismus der Angsterkrankung ergründet werden.
  • Angst lösende oder beruhigende Medikamente (Tranquilizer, z. B. Benzodiazepine) und Antidepressiva. Diese Arzneimittel weisen jedoch Nebenwirkungen wie Sedierung (Dämpfung von Funktionen des Zentralen Nervensystems) sowie „Hangover“ am nächsten Tag auf. Weiter besteht ein Gewöhnungspotenzial.

Tipps aus der Apotheke

Angst und Nervosität natürlich behandeln
Die Natur bietet mehrere Arzneipflanzen an, die sich als Mittel zur Entspannung bei Nervosität und Unruhe bewährt haben. In Apotheken findet man ein breites Angebot an Vitamin- und Mineralstoffpräparaten sowie nervenstärkenden Präparaten.

  • Die Passionsblume wirkt angstlösend bei innerer Anspannung, Gereiztheit und Nervosität.
  • Die Melisse wirkt ausgleichend bei Erregungszuständen, Unruhe und Nervosität.
  • Baldrian wirkt beruhigend und schlaffördernd.
  • Stärkungsmittel wie Extrakte aus der Ginsengwurzel eignen sich bei Müdigkeit und Schwächegefühlen sowie bei nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit.
  • Der Organismus benötigt zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe, um leistungsfähig zu sein. Eine ausgewogene Ernährung und die Aufnahme von Vitaminen sind in Zeiten, in denen Ängste und Nervosität überwiegen, besonders wichtig.

Ängste abbauen

  • Bewegung : Aktive Menschen sind stressresistenter, leiden weniger unter Nervosität und stecken Belastungen deutlich schneller
  • Schlaf: Im Schlaf erholt sich der Körper, das Gehirn löscht überflüssige Informationen und das Immunsystem wird gestärkt.
  • Beziehungen und Freundschaften pflegen