Aktiv gegen Kopfschmerzen

Wenn es im Kopf sticht, brummt, drückt oder pocht, kann das viele Ursachen haben. Entsprechend vielfältig sind auch die Behandlungsansätze. Einfach hinnehmen sollte man die Schmerzen aber nie.

Kopfschmerzen – medizinisch Cephalgie genannt – kennt praktisch jeder: Laut der Gesundheitsberichterstattung des Bundes werden knapp 70 Prozent der Frauen und mehr als 50 Prozent der Männer innerhalb eines Jahres davon geplagt. Solange die Beschwerden nicht zu stark sind und nur gelegentlich auftreten, etwa als unangenehme Begleiterscheinung einer Erkältung, ist es meist mit Ruhe, Naturmitteln oder einem rezeptfreien Schmerzmedikament getan. Doch wenn Kopfschmerzen chronisch werden, können sie das Leben stark belasten und eine echte Behinderung darstellen. Leider werden viele Patienten nicht ausreichend versorgt – etwa die Hälfte sucht gar nicht erst einen Arzt auf. Eine jahrelange Selbstbehandlung mit Schmerzmitteln kann allerdings alles noch schlimmer machen und den so genannten medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz auslösen. Deshalb sollte man gerade bei wiederkehrenden oder langfristigen Kopfschmerzen rechtzeitig handeln.

Dafür muss man allerdings zunächst wissen, um welche Art Kopfschmerzen es sich handelt. Die International Headache Society (IHS) kennt mehr als 200 verschiedene Varianten der Pein. Grundsätzlich werden sie in zwei Gruppen unterteilt: Primäre Kopfschmerzen haben keine bekannte Ursache, sind also selbst die Krankheit, sekundäre Kopfschmerzen treten als Folge einer anderen Erkrankung auf, sind also ein Symptom.

Häufig: Spannungskopfschmerzen und Migräne
Zu den primären Kopfschmerzen zählt die häufigste aller Formen, der Kopfschmerz vom Spannungstyp. Er betrifft beide Kopfseiten und fühlt sich meist drückend und dumpf an, als sei ein Stahlring um den Schädel gespannt. Die Ursache ist nicht geklärt, vermutet wird unter anderem eine herabgesetzte Reizschwelle im Gehirn. Auch Verspannungen im Bereich von Schultern, Nacken und Kaumuskeln sowie Stress und Schlafstörungen können wohl zu seiner Entstehung beitragen. Spannungskopfschmerzen dauern zwischen einer halben Stunde und einer Woche. Meist treten sie episodisch auf, sie können aber auch chronisch werden

Fast immer chronisch ist dagegen die Migräne, eine ebenfalls recht häufige Form, die vor allem Frauen plagt. Die pulsierenden, üblicherweise einseitigen Schmerzen treten anfallsweise auf und dauern einige Stunden bis mehrere Tage. Oft sind sie mit Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit verbunden, dazu können Sehstörungen, die so genannte Aura, kommen.

Eher selten ist dagegen der überwiegend bei Männern auftretende Cluster-Kopfschmerz. Er ist durch stechende, schier unerträgliche Schmerzen hinter dem Auge gekennzeichnet und tritt ebenfalls attackenartig auf.

Bei den sekundären Kopfschmerzen liegen Infektionen und Fieber an der Spitze der Ursachen – also Erkältungen, Grippe und anderen Plagen. Aber auch Stoffwechselerkrankungen, Schädelverletzungen, Gefäßprobleme, Tumoren und Medikamentenübergebrauch gehören dazu. Bei der Diagnose ist es wichtig, dass solche körperlichen Ursachen abgeklärt werden, bevor die Behandlung beginnt.

Selbsthilfe ist möglich
Während schwere, chronische und wiederholt auftretende Kopfschmerzen immer in die Hand eines Arztes gehören, können sich Betroffene bei leichteren Beschwerden oft gut selbst helfen. Vor dem Griff zur Tablette gibt es hier auch viele „sanfte“ Möglichkeiten. So kann gute Selbstbeobachtung hilfreich sein, eventuell auch das Führen eines Kopfschmerztagebuchs. Denn gerade bei den häufigen Spannungskopfschmerzen ist zwar die eigentliche Ursache unbekannt, es gibt aber durchaus Trigger, die einen Anfall auslösen können. Nicht selten ist einfach Hunger oder vor allem Durst verantwortlich. Wer dazu neigt, essen und trinken zu „vergessen“ und öfter einen Brummschädel hat, sollte deshalb auf regelmäßige Mahlzeiten und eine reichliche Flüssigkeitsaufnahme achten. Ein großes Glas Wasser, Saftschorle oder eine Kanne Tee am Arbeitsplatz oder auf dem Beistelltisch animieren dazu, öfter mal einen Schluck zu nehmen.

Apropos Arbeitsplatz: Wer viel sitzt, lange auf den Bildschirm starrt und dabei abgestandene Luft atmet, muss sich ebenfalls nicht über Protest aus dem Kopf wundern. Kräftiges Durchlüften, etwas Gymnastik oder ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft machen dann wieder frisch und können die Schmerzen oft vertreiben oder schon im Keim ersticken. Wichtig für einen klaren Kopf ist auch ausreichend Ruhe. Zu wenig oder unruhiger Schlaf sind nämlich weitere Schmerztrigger. Viele Menschen reagieren außerdem auf Alkohol- und Nikotingenuss mit erhöhter Kopfschmerzneigung.

Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Nährstoff- und Flüssigkeitszufuhr, Bewegung, viel Schlaf und der Vermeidung von Genussgiften ist also ein guter Weg zu weniger Kopfschmerzen. Manchmal sind aber auch spezifischere Maßnahmen sinnvoll. So können bei stressbedingten Kopfschmerzen Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga, Tai Chi, Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson langfristig angewendet Linderung bringen. Auch Biofeedback kann eingesetzt werden. Das ist eine Methode der Verhaltensmedizin, bei der dem Patienten normalerweise unbewusst ablaufende Körpervorgänge wie Puls- und Blutdruckschwankungen oder die Schweißdrüsenaktivität bewusst gemacht werden, damit er lernen kann, sie aktiv zu beeinflussen.

Muskuläre Verspannungen lassen sich oft gut mit Wärme lösen. Ein Kirschkernkissen im Nacken, eine Wärmflasche oder ein heißes Bad geben so nicht nur den Gliedern ihre Lockerheit zurück, sondern verschaffen auch dem Kopf Erleichterung. Manchmal liegen dauerhaften Verkrampfungen jedoch Fehlhaltungen oder Kieferfehlstellungen zugrunde, dann muss ein Orthopäde oder Kieferorthopäde ran.

Helfen Lüften, Trinken, Wärme und Co. nicht und bringen die bekannten Hausmittel keine Besserung, kann man bei leichteren, gelegentlichen Beschwerden auch zu einem freiverkäuflichen Schmerzmittel greifen, etwa mit den Wirkstoffen ASS, Ibuprofen oder Paracetamol. Man sollte sie aber nicht mehr als drei Tage hintereinander oder zehn Tage im Monat nehmen, sondern in diesen Fällen einen Arzt aufsuchen. Unbehandelt sollten Kopfschmerzen nicht bleiben, da sich bei länger andauernden Schmerzen ein „Schmerzgedächtnis“ entwickeln kann. Die Nerven werden dann übersensibel und reagieren schon auf geringste Reize oder sogar ganz ohne Auslöser – es kommt zur Chronifizierung. Rasches Einschreiten verkürzt also nicht nur das akute Leid, sondern kann auch zukünftiges verhindern.