Aktiv gegen Bluthochdruck

Herrscht in den Gefäßen dauerhaft Überdruck, kann das fatale Auswirkungen haben und zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden führen. Mit einer aktiven und gesunden Lebensweise lässt sich vorbeugen.

Das Blut, das durch unsere Gefäße fließt, übt von innen einen Druck auf ihre Wände aus, der mit zunehmender Entfernung vom Herzen abnimmt. Gemessen wird in der Regel der Blutdruck in den größeren Arterien. Er verläuft in Wellen: Wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut auswirft (Systole), ist er höher, erschlafft der Herzmuskel in der Diastole, sinkt er ab. Deshalb werden bei einer Blutdruckmessung immer der systolische und der diastolische Druck als Paar angegeben, beispielsweise 130/85 Millimeter Quecksilbersäule (mm HG).

Ein sehr niedriger Blutdruck – unter 105/65 mm HG – ist gesundheitlich meist unbedenklich, kann sich aber durch Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Frieren bemerkbar machen. Oft genügt dann schon etwas Bewegung an der frischen Luft, um wieder in Gang zu kommen. Dagegen ist ein dauerhaft erhöhter Blutdruck gefährlich, denn er schädigt den Organismus auf vielerlei Weise: Das Herz muss mehr Kraft aufwenden, um gegen den Widerstand anzupumpen, was langfristig zu einer Überlastung und damit zu Herzschwäche führen kann. An den Gefäßwänden kann es zu kleinen Rissen und Verletzungen kommen. Die dadurch ausgelösten Reparaturprozesse führen zu einer Verdickung und Verhärtung – der sogenannten Arteriosklerose. Durch die verengten Adern wird dann die Durchblutung wichtiger Organe behindert, zum Beispiel des Herzens selbst, des Gehirns und der Nieren. Kommt es zu einem vollständigen Verschluss, drohen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Niereninfarkt. Als milder Bluthochdruck gelten nach aktuellen Leitlinien Werte zwischen 135–140/85–95 mm HG. Optimal sind Werte unter 120/75 mm HG.

Blutdruckselbstmessung – richtig gemacht!

Nach erhöhten Blutdruckwerten in Praxismessungen beim Arzt wird in der Regel die Diagnose Bluthochdruck durch eine Langzeitblutdruckmessung bestätigt. Dann sollten Sie sich von Ihrem behandelnden Arzt ein Gerät zur häuslichen Blutdruckmessung mit einem entsprechenden Prüfsiegel für Messgenauigkeit empfehlen lassen. Tragen Sie Ihre Werte regelmäßig in einen Blutdruckkalender ein, den Sie zum Beispiel bei der Deutschen Hochdruckliga beziehen können. Wenn Ihr Hausarzt zwischen rechtem und linkem Arm Messunterschiede festgestellt hat, messen Sie an dem Arm mit dem höheren Blutdruckwert. Die Messung sollte jeweils zweimal morgens nach dem Aufstehen (z. B. zwischen 6 und 9 Uhr) und zweimal abends (18 bis 21 Uhr) vor der Medikamenteneinnahme erfolgen. Sie messen im Sitzen und lassen vor jeder Messung mindestens fünf Minuten Ruhepause vergehen. Die Messung sollte an sieben aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt werden. Der erste Tag wird verworfen, da die Werte am Anfang meist etwas höher sind, als später im Verlauf. Nach den Mittelwerten über eine Woche ergeben sich für die Blutdruckselbstmessung die Grenzwerte, die in der Tabelle aufgeführt sind.

Grenzwerte für die Blutdruckselbstmessung

Blutdruck in mmHg systolisch/diastolisch Diagnose
1. unter 120 / 75: Glückwunsch, das ist ein optimaler Blutdruck
2. zwischen 120–130 / 75–80: Das ist ein normaler Blutdruck
3. zwischen 130–135 / 80–85: Achtung, hier handelt es sich bereits um hochnormale Werte – bei entsprechender familiärer Belastung oder anderen Risikofaktoren sollte der Blutdruck im Auge behalten werden
4. zwischen 135–150 / 85–95: Es besteht eine milde Bluthochdruckform – häufig reichen noch nicht-medikamentöse Maßnahmen aus
5. zwischen 150–170 / 95–105: Es besteht eine mittelschwere Bluthochdruckerkrankung – in Abhängigkeit von anderen Risikofaktoren kann eine medikamentöse Behandlung angezeigt sein
6. über 170 / 105: Es besteht eine schwere Bluthochdruckerkrankung – in der Regel ist eine baldige medikamentöse Therapie angezeigt

Risikofaktoren im Griff behalten

Warum der Blutdruck bei so vielen Menschen dauerhaft in ungesunde Bereiche steigt, ist noch weitgehend unbekannt. Nur bei etwa fünf Prozent der Betroffenen lässt sich eine konkrete Krankheit als Ursache ausmachen. Bei allen anderen spricht man von primärer oder essenzieller Hypertonie. Ein erhöhter Blutdruck als „stille Erkrankung“ kann jahrelang Schaden anrichten, bevor sich die Folgen zeigen. Regelmäßige Kontrollen beim Arzt sind deshalb sinnvoll.

Trotz mangelnden Wissens über die genauen Mechanismen sind verschiedene Risikofaktoren bekannt, die das Entstehen von Bluthochdruck begünstigen. Manche davon kann man nicht beeinflussen. So ist eine erbliche Veranlagung nachgewiesen, und auch das Lebensalter spielt eine Rolle, da mit den Jahren die Elastizität der Gefäßwände abnimmt. Andere Risiken hat jeder selbst in der Hand. Zu ihnen gehören vor allem übermäßiges Bauchfett, Bewegungsmangel, Stress, Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuss und teilweise auch ein zu hoher Salzkonsum. Hier sollte man aktiv werden.

Gesund essen, viel bewegen

Besonders ungünstig auf den Blutdruck wirkt sich übermäßiges Bauchfett aus: Überschreitet der Taillenumfang bei Männern 102, bei Frauen 88 Zentimeter, wird es kritisch. Um das Gewicht im Griff zu behalten, ist gesundes, maßvolles Essen wichtig. Wer das selbst nicht so gut hinbekommt, kann einen Ernährungsberater aufsuchen – viele Krankenkassen geben dafür Zuschüsse und bieten Programme an.

Auch Bewegung hilft, körperlich in Form zu bleiben. Sport schlägt sogar gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Er hilft beim Abnehmen beziehungsweise Gewicht halten und wirkt auch ganz direkt blutdrucksenkend. Dazu kurbelt er den Fett- und Zuckerstoffwechsel an, steigert Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Besonders geeignet sind Ausdauersportarten wie Joggen, Walken, Schwimmen oder Radeln. Mindestens zweimal die Woche sollte man für 30 Minuten in Gang kommen – häufiger ist besser.

Dem Blutdrucktreiber Stress ist oft am schwersten beizukommen, denn Lebensumstände wie berufliche Überlastung, Scheidung oder Tod eines Angehörigen sucht man sich ja nicht aus. Dennoch gibt es verschiedene Punkte, an denen man ansetzen kann. Dazu gehört, Grenzen zu setzen, „nein“ sagen zu lernen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch Entspannungstechniken wie Autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga können einen Ausgleich schaffen.

Worauf Bluthochdruckpatienten auf jeden Fall verzichten sollten, ist das Rauchen. Der ungesunde Qualm verschlechtert die Durchblutung und greift die Innenwände der Gefäße an, sodass Arteriosklerose gefördert wird. Alkohol wirkt sich bei häufigem Konsum ebenfalls blutdrucksteigernd aus – also Maß halten! Zumindest bei einigen Menschen ist Kochsalz ebenfalls ungünstig für den Blutdruck. Als Faustregel gilt hier: nicht mehr als sechs Gramm täglich verzehren.

Natürlich den Blutdruck senken

Ergänzend können verschiedene Natur- und Nahrungsmittel die Blutdruckwerte senken. Eine entspannende Wirkung auf die Gefäße haben etwa Omega-3-Fettsäuren, die in fettem Fisch und Leinöl enthalten sind. Der Aminosäure Arginin, die reichlich in Fisch, Nüssen, Käse, Ei und Fleisch vorkommt, wird ebenfalls ein blutdrucksenkender Effekt zugeschrieben. Fischöl und Arginin werden auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. In der Pflanzenmedizin gelten unter anderem Weißdorn, Mistel, Schafgarbe, Olivenblätter und Knoblauch als geeignete Mittel. Nicht zuletzt sollten Hypertoniker auf ihren Vitamin-D-Haushalt achten, da ein Mangel am „Sonnenvitamin“ den Druck nach oben treiben kann.

Lassen sich durch Naturmittel und eine Anpassung des Lebensstils keine gesunden Werte erreichen, verordnet der Arzt blutdrucksenkende Medikamente. Bei gewissenhafter Anwendung bekommt man den Risikofaktor Bluthochdruck dann meist gut in den Griff.

Buchtipp

Ein Drittel der Bevölkerung und etwa die Hälfte der über 60-Jährigen leiden an Bluthochdruck. Unser Blutdruck wird stark durch den Lebensstil beeinflusst. In vorliegendem Buch werden die wichtigsten Maßnahmen zum Selbstmanagement bei hohem Blutdruck dargestellt. Das Buch „Hausaufgaben für Patienten mit Bluthochdruck – 10 goldene Tipps zur Vorbeugung und zum Selbst-Management“ von Burkhard Weisser und Thomas Mengden stellt Anleitungen für regelmäßige Bewegung im Alltag zur Verfügung, gesundes Essen und Stressreduktion werden in verständlicher Form dargestellt. Experten kommen mit den wichtigsten Tipps für ihre Patienten zu Wort.
Hofmann Verlag 2017, ca. 90 Seiten,
ISBN 978-3-7780-1491-2, 14.90,
E-Book € 11.90, Infos unter www.sportfachbuch.de